Im ewigen Auf und Ab um die Zukunft der Warenhauskette Karstadt deutet wieder einiges auf „Ab“ hin. Die am Wochenende durchgesickerten Meldungen von einer Einigung zwischen Karstadt-Käufer-Berggruen und der Valovis Bank werden unmittelbar vor einem wichtigen Gläubigertreffen am Mittwoch deutlich relativiert.
„Seit vergangenem Mittwoch sind zwischen Herrn Berggruen und Valovis keine unmittelbaren Verhandlungen mehr geführt worden“, erklärte ein Sprecher der Valovis Bank, die 53 Immobilien des Karstadt-Vermieters Highstreet finanziert. Er dementierte, dass der Hauptstreitpunkt der sogenannten „Mieterdienstbarkeiten“ beigelegt sei, was einige Medien vermeldet hatten.
Dahinter versteckt sich die Forderung Berggruens, die inzwischen reduzierten Miethöhen ins Grundbuch einzutragen. Im Falle einer Insolvenz von Highstreet blieben ihm die vergünstigten Konditionen erhalten. Für Valovis stiege durch den Eintrag jedoch das Risiko deutlich, weil dem 850-Millionen-Kredit damit geringere Mietforderungen gegenüberstünden. „Herr Berggruen hat bisher gegenüber Valovis in keiner Weise auf die Eintragung von Mietdienstbarkeiten ins Grundbuch verzichtet“, erklärte der Bank-Sprecher. Nach Morgenpost-Online-Informationen haben die Anwaltskanzleien beider Seiten die Verhandlungsergebnisse inzwischen in ein Eckpunktepapier geschrieben. Dieses werde im Detail verhandelt.
Highstreet sei über die Fortschritte der Valovis-Berggruen-Gespräche unterrichtet, erklärte der Bank-Sprecher. Alexander Dibelius, der Deutschland-Chef der Bank Goldman Sachs, die wesentlich hinter Highstreet steht, hatte am Wochenende Hinweise auf die erfolgte Einigung gegeben.
Bei dem mit Spannung erwarteten Treffen von Highstreet-Gläubigern von „Fleet Street“ am Mittwoch in London wird Valovis nicht dabei sein. Die Londoner Gesellschaft hatte einen Teil der Highstreet-Finanzierung verbrieft und weiterverkauft. Diese Investoren müssen der von Berggruen geforderten neuerlichen Reduzierung der Mieten für Karstadt noch zustimmen. Damit sie in Kraft treten kann, ist eine Mehrheit von 75 Prozent erforderlich. „Ich gehe davon aus, dass die Versammlung zustimmt“, hatte Dibelius gesagt.
Die Zustimmung am Mittwoch wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Rettung Karstadts. Allerdings schränkte eine Person, die mit den Vorgängen vertraut ist, bereits ein: „Es wird wohl noch nicht das finale Meeting sein“. Die Zeit drängt: Am 10. August will das Amtsgericht Essen den Insolvenzfall Karstadt abschließen. Ohne Einigung zwischen Berggruen, Valovis und Highstreet droht die Zerschlagung der Kette mit 120 Häusern und 25.000 Mitarbeitern.





