Im Dauerstreit um die Zukunft von Karstadt steht offenbar eine Lösung kurz bevor. Nach zahlreichen Verhandlungsrunden haben Investor Nicolas Berggruen und der Immobilienfinanzierer Valovis am Wochenende einen Kompromiss in ihrem Streit um Mieten und Sicherheiten gefunden. Das erfuhr Morgenpost Online aus Unternehmenskreisen. Demzufolge wurden bereits entsprechende Papiere unterschrieben. Am Wochenende äußerten sich auch Alexander Dibelius, Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, die hinter Highstreet steht, und Margret Mönig-Raane, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Ver.di, optimistisch über eine Lösung.
Berggruen und Valovis – die Bank finanziert mit 850 Millionen Euro zahlreiche Karstadt-Immobilien von Highstreet – verwiesen lediglich darauf, dass sie Stillschweigen über ihre Verhandlungen vereinbart hätten. Die Meinungsverschiedenheiten dieser beiden Gruppen galten zuletzt als Haupthindernis für die Übernahme der 120 Karstadt-Häuser und ihrer 25.000 Mitarbeiter durch Berggruen. Würde die Übernahme deswegen platzen, drohte Karstadt die Zerschlagung.
Mit einer Einigung zwischen Berggruen und Valovis gilt das für den Mittwoch in London anberaumte Treffen bisher unentschlossener Gläubiger des Vermieterkonsortiums Highstreet nur noch als Formsache. 75 Prozent der Investoren müssen dort unter anderem die bisher ausgehandelten Mietsenkungen für Karstadt über fast 400 Millionen Euro akzeptieren. „Wir gehen von einer Zustimmung aus“, sagte Dibelius nun.
Eine deutliche Reduzierung der Mietbelastung ist die Voraussetzung dafür, dass der Anfang Juni von Berggruen unterschriebene Kaufvertrag tatsächlich in Kraft tritt. Am 10. August will das Amtsgericht Essen feststellen, ob diese Voraussetzung erfüllt ist. Sollte das der Fall sein, hat Karstadt mit Berggruen tatsächlich einen neuen Eigentümer und wäre zunächst gerettet. Am 9. Juni 2009 hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet.
Der Druck auf die Verhandlungspartner war auch deshalb gestiegen, weil spekuliert worden war, dass das Gericht den Termin nicht noch ein weiteres Mal verschieben werde. Ohne Einigung hätte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg das Unternehmen zerschlagen. Die Hoffnung auf eine Einigung war durch eine Äußerung von Goldman-Banker Dibelius angefacht worden. Highstreet gehören 86 der 120 Karstadt-Häuser. „Wir haben den Weg für eine Einigung frei gemacht, dabei haben wir weitere Konzessionen beim Mietvertrag gemacht“, zitiert die „Bild am Sonntag“ den Bank-Chef. Dibelius hatte 2006 mit dem damaligen Chef der Karstadt-Mutter Arcandor, Thomas Middelhoff, den Verkauf der Immobilien für mehr als 3,7 Milliarden Euro und die Rückmietung durch Karstadt ausgehandelt. Seither war immer wieder von einer überhöhten Mietbelastung die Rede, die letztlich zur Insolvenz beigetragen habe.
Mit seiner Äußerung vom Sonntag wiederholte Dibelius zwar lediglich frühere Versprechen, nach denen sich Highstreet nicht querstellen werde, falls sich Berggruen und Valovis einigten. Doch die Tatsache, dass er sich zum ersten Mal seit langem selber äußerte, gilt als Hinweis auf die bevorstehende Einigung. Möglicherweise will Dibelius mit dem Vorstoß auch Druck für eine Zustimmung auf die Deutsche Bank ausüben, die über ihre Tochter DBRreef auch an Highstreet beteiligt ist.
In den vergangenen Wochen noch hatten Beobachter den Eindruck, das High?street-Konsortium, das im Bieterverfahren um das operative Karstadt-Geschäft unterlegen war, wolle die Übernahme der Warenhäuser durch Berggruen um jeden Preis verhindern. Immer wieder wurden aus dem Konsortium Zweifel an Berggruens Konzept und Finanzkraft gestreut. Möglicherweise wollte Highstreet damit nur Zeit gewinnen, um zeitig mit anderen Interessenten zu verhandeln.
Wie Morgenpost Online erfuhr, gab es bereits seit mehreren Wochen ernsthafte Verhandlungen mit einem Investor, der nicht nur das operative Geschäft, sondern auch die Karstadt-Immobilien kaufen wollte. Dem Vernehmen nach handelte es sich dabei um die Eigentümer der spanischen Warenhauskette El Corte Ingles. Die Spanier sollen über einen Kaufpreis, der oberhalb der zuletzt diskutierten 65 Millionen Euro lag, sowie Investitionen von rund 100 Millionen Euro allein für das Jahr der Übernahme nachgedacht haben. Weil das Verfahren jedoch kompliziert und die Zeit bis zum 10. August zu knapp ist, machten die Spanier den Informationen zufolge jetzt einen Rückzieher.





