EU-Industriekommissar Günter Verheugen erwartet, dass sich die Europäische Union rasch auf eine Begrenzung der Einkommen von Bankmanagern verständigt. Die Europäische Kommission sei der Auffassung, dass in den Vergütungssystemen „kein direkter Bezug hergestellt werden darf zum kurzfristigen Unternehmensgewinn“, sagte Verheugen dem „Hamburger Abendblatt“. Er sei zuversichtlich, dass die Mitgliedstaaten und das Parlament dazu zügig eine Einigung erzielten.

Zugleich sprach sich Verheugen dafür aus, Boni für Manager, deren Unternehmen staatliche Unterstützung bekommen, hoch zu besteuern. „Worum es geht, sind Zahlungen, die anstehen, wenn ein Unternehmen längst am Tropf des Staates hängt. Hier haben die Amerikaner eine sehr elegante Lösung gefunden“, sagte der SPD-Politiker. „Sie holen sich solche Zahlungen über die Besteuerung zurück.“

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte bereits verkündet, seine Regierung wolle die Bonuszahlungen von Banken an ihre Mitarbeiter stärker kontrollieren. Fehlleistungen müssten zu einer Verringerung der Boni führen. Dies soll beim G-20-Gipfel in Pittsburgh Ende September international abgestimmt werden.

Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) unterstützt die Pläne Frankreichs für internationale Regeln zu Bonuszahlungen für Bankmanager. „Ich habe mit meiner französischen Kollegin Lagarde gerade vereinbart, dass wir unseren britischen Gastgeber bitten, das Thema Boni beim nächsten Treffen der G-20-Finanzministertreffen auf die Tagesordnungen zu setzen“, sagte Steinbrück dem „Handelsblatt“. „Wir brauchen auch hier internationale Vereinbarungen.“

Steinbrück sprach sich gegen zusätzliche gesetzliche Regelungen aus, wie sie die Union vorgeschlagen hatte. Er forderte allerdings, dass Banken ihre gezahlten Boni nur begrenzt von der Steuer absetzen können sollen: „Ich bin für eine steuerliche Begrenzung, bin aber vorsichtig, inwiefern man mit gesetzlichen Auflagen in privates Vertragsrecht eingreifen kann und darf“, sagte der Minister der Zeitung.

AFP/mos