Genau 30 Minuten hatte Josef Ackermann Zeit für seine Mission. Mit strammem Schritt tritt der Deutsche-Bank-Chef durch den Frankfurter Nieselregen in die Säulengänge der IHK, um anzukämpfen gegen „die vielen Missverständnisse“, die er in diesen Tagen kursieren sieht. Gegen all diese Vorwürfe, die Banken würden nach einer Jahrhundertkrise einfach weitermachen wie bisher. „Dieser Eindruck ist falsch“, beteuert Ackermann.

Aus der Luft gegriffen ist er freilich nicht. Gerade die großen Investmentbanken wie Ackermanns Haus schreiben wieder Milliardengewinne. Und schon tritt die Branche wieder selbstbewusster auf. „Auch in Deutschland merken wir, dass die Geldhäuser zu maulen beginnen, wenn wir über die Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften diskutieren“, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück diese Woche Morgenpost Online.

Ackermann will all das nicht gelten lassen. „Die Behauptung, es herrsche wieder ‚business as usual’, entspricht nicht den Tatsachen“, sagt er mit ernster Mine bei der „Zeit“-Konferenz zur Lage des Finanzplatzes. Vielmehr kämen die Banken gut voran dabei, ihre Lehren zu ziehen. So seien diverse Finanzprodukte bereits transparenter geworden. Auch die Vergütungsmodelle orientierten sich stärker an den langfristigen Interessen. Viele Dinge seien jedoch komplex und bräuchten Zeit. „Niemand ist mit neuen Instrumenten gedient, die nur zu mehr Unsicherheit führen“, warnt Ackermann. Außerdem brauche es internationale Regeln, keine Alleingänge. „Aber jeder irrt, der glaubt, wir könnten auch nur einen Gang zurückschalten.“

Doch der Eindruck einer dauerhaft geläuterten Branche will sich nicht recht festsetzen an diesem Tag. Das liegt vor allem daran, dass andere prominente Vertreter den eigenen Berufsstand deutlich skeptischer sehen. „Vielleicht ist die Krise tatsächlich zu kurz, um fundamentale Veränderungen zu erreichen“, sinniert etwa Commerzbank-Chef Martin Blessing, dessen eigenes Haus noch tief in der Verlustzone verharrt.

An eine Selbstbeschränkung in der Branche glaube er längst nicht mehr, es brauche eine strengere Regulierung. „Und da darf man sich nicht hinter dem Argument verstecken, dass es national keinen Sinn macht und man es international nicht hinkriegt.“ Ähnlich sieht es Theodor Weimer, früher selbst ein hochrangiger Investmentbanker bei Goldman Sachs und heute Chef der HypoVereinsbank: „Mancher Marktteilnehmer scheint zu denken, man muss nur ein paar Details anpassen und kann ansonsten weitermachen wie bisher.“ Aus seiner Sicht muss die Branche akzeptieren, dass nicht jede Bank eine Rendite von 25 Prozent erzielen könne – alles andere führe zu überzogenen Risiken.

Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin wirbt für eine Vereinfachung des Finanzsystems. Außerdem müsse man die Wut über hohe Bonuszahlungen ernst nehmen.

Es ist Goldman-Deutschlandchef Alexander Dibelius, der dagegen hält. Er verwahrt sich gegen eine Begrenzung der Boni. „Es muss weiterhin eine leistungsgerechte Bezahlung geben“, fordert er im Namen einer Branche, die sich traditionell im Kampf um die besten Köpfe sieht. Doch auch in dieser Frage überwiegen die nachdenklichen Töne. Er habe kein Problem damit, wenn sich die Bezahlung von Bankern dem Niveau anderer Branchen annähere, sagt Blessing: „Für die Volkswirtschaft ist es vielleicht ganz gut, wenn die besten Physiker nicht mehr alle Derivate designen, statt sich um Themen wie das Energieproblem zu kümmern.“

Reuters/dma