Trotz der wütenden Proteste der Milchbauern hat Aldi eine neue Preissenkungsrunde bei Milchprodukten eingeläutet. Der führende deutsche Lebensmitteldiscounter senkte den Preis für einen Liter Frischmilch gleich um sieben Cent auf nun 48 Cent. Der Milchbauernverband BDM kritisierte die Preissenkungen scharf.

Der Liter fettarme Frischmilch kostet bei Aldi inzwischen nur noch 42 Cent. Auch für andere Milchprodukte wie Quark müssen Verbraucher bei dem Discounter seit 4. Mai weniger zahlen. Aldi gilt als Signalgeber im Einzelhandel, dem die anderen Discounter und Supermärkte mit kurzem Abstand folgen.

So zog der Discounter Penny des Rewe-Konzerns laut einem Onlinebericht der „Lebensmittel-Zeitung“ sofort nach.

Die Milchbauern hatten zuletzt heftig gegen die immer weiter fallenden Milchpreise protestiert, während Lebensmittelketten und Molkereien über die neuen Lieferbedingungen für die Monate Mai bis Oktober verhandelten. Nach einem Bericht der „Lebensmittel-Zeitung“ handelte Aldi dabei deutliche Abschläge im zweistelligen Prozentbereich gegenüber den seit November geltenden Milchlieferverträgen aus.

„Wir können zu diesen Preisen nicht produzieren. Das ist völlig unmöglich“, sagte BDM-Vorstandsmitglied Martin Kugler. Im bundesdeutschen Durchschnitt erhielten die Bauern mit den neuen Lieferverträgen nach BDM-Schätzungen weniger als 20 Cent pro Liter Milch.

Im Jahr 2008 hatten die Milchbauern bei ihren Streiks mehr als 40 Cent pro Liter gefordert, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Kugler beklagte, bislang hätten die Milchbauern „keine Reaktionen“ aus der Politik auf ihre Proteste in der vergangenen Woche erhalten.

Der BDM hoffe nun, „dass wir nicht zu so drastischen Maßnahmen gezwungen werden wie im vergangenen Jahr“, sagte er mit Blick auf den Lieferstreik vom vergangenen Jahr.

Ein Treffen von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) mit Bauern, Milchindustrie, Verbraucherschützern und Einzelhandel hatte Ende April kaum konkrete Ergebnisse erbracht. Aigner verkündete lediglich, die Bundesregierung erwäge Bürgschaften für von der Pleite bedrohte Bauern.

Der Discounter Penny, der zum Rewe-Konzern gehört, gab weitere Preissenkungen bei mehreren Milchprodukten bereits bekannt. Demnach wurde Speisequark um 18 Prozent billiger und kostet jetzt 45 Cent je 500-Gramm-Becher. Bei Schlagsahne wurde der Preis um zwölf Prozent auf 29 Cent je 200-Gramm-Becher reduziert. Diese Preisreduzierungen vollzog nach Informationen der „Lebensmittel Zeitung“ auch Aldi.

Die Discounter befinden sich in einem fortdauernden Preiskampf. Dabei werden zahlreiche Produkte für die Verbraucher billiger; die Supermarktketten versuchen so, Kunden zu halten und Marktanteile zu verteidigen oder sogar auszubauen.

„Wir werden nicht teurer sein als Aldi“, sagte ein Sprecher der Rewe-Gruppe zur Frage nach den Milchpreisen. Das gelte sowohl für den Discounter Penny als auch für den Preiseinstiegsbereich von Rewe. Die Gruppe ist der zweitgrößte Lebensmittelhändler in Deutschland nach Edeka.

Für die Milchbauern bedeuten die Preissenkungen nach Expertenschätzung existenzgefährdende Einkommenseinbußen. Die Landwirte dürften schätzungsweise zwei bis drei Cent weniger je Liter Milch bekommen, sagte der Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen, Reinhard Pauw.

Die sieben Cent Preissenkung je Liter schlügen zwar nicht komplett durch, weil Trinkmilch nur einen Teil der verarbeiteten Rohmilch ausmache. Bei Erzeugerpreisen von 20 Cent oder weniger je Liter Milch sei auch für die sehr gut wirtschaftenden Betriebe „das Ende der Fahnenstange erreicht“.

AFP/AP/dpa/oht