Mit einer Übernahme des britischen Verkehrskonzerns Arriva durch die Deutsche Bahn (DB AG) werden auch die Karten im deutschen Verkehrsmarkt neu gemischt. Der Vorstand der Bahn rechnet damit, dass die deutschen Kartellbehörden für ihre Zustimmung zu einer Übernahme auf einen Verkauf aller Bahnen von Arriva Deutschland bestehen werden.

Konzernchef Rüdiger Grube ist dazu bereit, um seine Expansionspläne nicht zu gefährden. Nach Informationen von Morgenpost Online ONLINE haben sich bereits fünf Interessenten für die Schienenunternehmen der Briten hierzulande gemeldet. Darunter sind die italienische Staatsbahn Trenitalia, der französische Verkehrskonzern Veolia und die französische Staatsbahn SNCF, die vermutlich über ihre Tochtergesellschaft Keolis bieten will.

Während sich die Italiener dem Vernehmen nach für das Güterverkehrsgeschäft von Arriva interessieren, das über die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) abgewickelt wird, geht es Veolia um den Personenverkehr. Ein Sprecher der Bahn wollte zu den Spekulationen keine Stellung nehmen.

Im Konzern hieß es: „Erst muss der Deal mit Arriva unter Dach und Fach sein, dann wird das Thema Verkäufe in Deutschland akut.“ Konzernchef Grube hat angekündigt, „falls nötig auch das deutsche Busgeschäft von Arriva zu verkaufen, sollten die Wettbewerbsaufseher das zur Auflage machen“.

Die Bahn muss sich den Kauf von Arriva von den Kartellbehörden der EU sowie Deutschlands, Großbritanniens und Dänemarks absegnen lassen. Dort fahren DB und Arriva bislang als Wettbewerber. In Dänemark und Großbritannien sind die Überschneidungen gering.

Die DB ist dort schwach aufgestellt. Anders ist die Situation in Deutschland: Neben dem Marktführer Bahn betreibt Arriva in Deutschland Güterverkehre, Buslinien und mehrere Bahnunternehmen, diese mit Schwerpunkt in Nord- und Ostdeutschland, einem Teil von Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Zu Arriva beziehungsweise zu deren Beteiligungen gehören unter anderem das Bahn-Unternehmen Metronom und die OHE, die Regental- und Vogtland-Bahn sowie die ODEG in und um Berlin. Über den Arriva-Einstieg hätte die DB Einfluss auf die eigenen Konkurrenten.

Politiker haben daher bereits Druck auf die Bahn gemacht: „Werden diese Pläne umgesetzt ohne Verkauf deutscher Arriva-Töchter, schadet das dem Wettbewerb auf der Schiene“, sagte Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode (FDP). Im Bahn-Vorstand wird daher geprüft, ob die Bahnen und Busunternehmen im Paket an einen Wettbewerber oder einzeln verkauft werden.

„Entscheidend dafür sind allerdings die Auflagen des Kartellamtes“, heißt es. Da sich die Bahn von den französischen Verkehrsunternehmen bereits seit Jahren auf dem Heimatmarkt heftig bedrängt fühlt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Deutschen nach Alternativen zu Keolis oder Veolia als Käufer suchen. Man sei schlecht beraten, die ärgsten Wettbewerber vor der eigenen Haustür zu stärken, sagt ein Bahn-Manager.

Parallel zu dem geplanten Zukauf in Großbritannien plant die Deutsche Bahn, erstmals eigene Verbindungen auf die Insel. Derzeit laufen die Vorbereitungen, Züge der ICE-III-Flotte für den Verkehr durch den Eurotunnel zuzulassen. Ziel ist der Bahn ist es, künftig Angebote mit dem ICE von Frankfurt beziehungsweise Köln nach London anzubieten. Im besten Fall könnten die Verbindungen ab 2013 aufgenommen werden, heißt es.

Die Deutsche Bahn hat bei Siemens 15 ICE-Züge bestellt, die mehrsystemfähig sind, also auf den Netzen mit unterschiedlichen Anforderungen in Deutschland, Belgien und Frankreich fahren können. Die Züge sollen Ende 2011 ausgeliefert werden.

Ein Teil kommt nach derzeitigen Plänen auf der Strecke Frankfurt/Stuttgart nach Paris zum Einsatz, ein anderer Richtung Brüssel. Der Rest ist eine „strategische Reserve“ – auch für das Eurotunnel-Projekt. Die Zulassungsprozesse sind allerdings aufwendig und teuer. Im Fall der Strecke nach Paris dauerte es fünf Jahre, bis die ICEs alle Genehmigungen hatten.

Eine Beteiligung der DB am Bahnunternehmen Eurostar, das mit Hochgeschwindigkeitszügen zwischen London, Paris und Brüssel pendelt und dabei den Eurotunnel nutzt, ist vom Tisch. Die französische SNCF hatte als Gesellschafter von Eurostar einen Verkauf von Anteilen an die Deutsche Bahn abgelehnt.