Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube liebäugelt mit dem Kauf der britische Busgesellschaft Arriva. Die Bahn sei von sich aus auf das Unternehmen zugegangen. „Ob wir ein Übernahmeangebot abgeben werden, steht derzeit noch nicht fest“, sagte der Bahn-Chef bei der Vorstellung der Bilanz 2009. Das börsennotierte Unternehmen würde Marktschätzungen zufolge rund 1,8 Milliarden Euro kosten. Eine Übernahme wäre der bisher größte Zukauf der Deutschen Bahn AG.
Laut Grube dürften nach einer Marktbereinigung insbesondere im Personenverkehr rund fünf große Bahnunternehmen übrig bleiben. „Hier können und wollen wir nicht kampflos zuschauen, und wir werden schon gar nicht zulassen, unsere hervorragende Wettbewerbsposition aufs Spiel zu setzen“, sagte er. „Wir werden uns nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.“
Allerdings regt sich Widerstand gegen die mögliche Übernahme. Während Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) das Vorhaben unterstützt, baut die FDP offenbar Hürden auf. „Expansion ja, aber nicht als Staatskonzern“, heißt es nach Informationen von Morgenpost Online aus der FDP. Bevor über Zukäufe entschieden werde, brauche es erst „eine klare Strategie für die Deutsche Bahn und eine konkrete Privatisierungsperspektive für die Transport- und Logistik-sparten“. Zudem müsse das Schienennetz vom Restkonzern bilanziell unabhängig werden.
Der britische Konzern Arriva erzielte 2008 einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 136 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt 44.000 Mitarbeiter. Über Arriva könnte die Bahn den Druck auf ihren französischen Konkurrenten SNCF sowie Véolia erhöhen. Grube war angetreten, um den Schuldenberg der Bahn abzutragen – die Übernahme von Arriva würde dies erschweren.
Operativ ist die Bahn unterdessen gut durch das vergangene Jahr gekommen. Der Umsatz ging zwar um zwölf Prozent auf 29,3 Milliarden Euro zurück, dennoch konnte das Unternehmen einen Nettogewinn von 830 Millionen Euro ausweisen. Der Erlösrückgang ist vor allem auf den schwachen Güterverkehr zurückzuführen. Der operative Gewinn habe vor allem von Sondererträgen profitiert und lag bei 2,2 Milliarden Euro.
Bereinigt lag der operative Gewinn bei 1,7 Milliarden Euro. Zu den Sondererträgen zählt unter anderem die Auflösung von Rückstellungen nach dem Startschuss für das Projekt Stuttgart 21, die Verlagerung des Bahnhofs unter die Erde. Hinzu kam ein milliardenschweres Sparprogramm. Stabil blieben auch die Geschäfte im Regionalverkehr und im Schienennetz. Für 2010 zeigte sich der Konzern zuversichtlich.
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