Die Umfrage, an der Mitte August rund die Hälfte der 900 Mitgliedsbetriebe teilnahm, ist ein weiterer Beleg für die offenbar schleppende Umsetzung des Konjunkturpakets II in der Hauptstadt. Insgesamt stehen in Berlin 632 Mio. Euro bereit. Bereits Ende März einigte sich der Senat, das Geld auf rund 800 Projekte zu verteilen. Darunter sind viele Bauvorhaben an Schulen, Kitas und öffentlichen Gebäuden. Von diesen Investitionen sollten nicht zuletzt Handwerks- und Baubetriebe in der Region profitieren.
Doch viele von ihnen warten noch. „Bei der überwiegenden Mehrheit der Betriebe ist noch nichts angekommen“, sagt Christiane Witek, Sprecherin der FG Bau. Von einer kurzfristigen Belebung durch die staatlichen Investitionen könne keine Rede sein. Nach Zahlen aus dem August sind in Berlin erst sechs Mio. von den 632 Mio. Euro zur Verfügung stehenden Mitteln geflossen. Zudem zweifelt die Interessensvertretung der Bauwirtschaft daran, dass das Geld vom Staat den Einbruch durch die schlechte Konjunktur ausgleichen kann.
Berlins Baufirmen blicken laut der Umfrage insgesamt pessimistisch auf ihr Geschäft. Ein Drittel der Firmen sagten, die Krise sei bei ihnen angekommen. Knapp 24 Prozent befürchten ein Durchschlagen der Krise auf ihr Geschäft in den nächsten Monaten. Lediglich 18,8 Prozent der befragten Firmen gehen von einem Auftragsplus durch das Konjunkturpaket aus. Dazu passen auch Zahlen des Statistischen Landesamtes von dieser Woche. Demnach schrumpften Umsatz und Auftragseingang im ersten Halbjahr 2009 deutlich. Im Juni brach das Auftragsvolumen der Berliner Baufirmen um fast 50 Prozent regelrecht ein.
Trotz der schlechten Vorzeichen müssen sich die Beschäftigten wohl weniger Sorgen machen. Nur 13,9 Prozent der Firmen wollen Mitarbeiter entlassen. Eine deutliche Mehrheit, 74,3 Prozent, antworteten auf die Frage nach Arbeitsplatzabbau mit „nein“.
Die Fachgemeinschaft Bau rechnet frühestens im September mit einem deutlichen Schub durch die vielen öffentlichen Aufträge. „So richtig profitieren werden die Baufirmen wohl erst im nächsten Jahr“, sagte Witek. Immerhin, sagt sie, kämen nun die Ausschreibungen in Gang.
Im Berliner Umland warten die Baubetriebe ebenfalls noch auf den Schub durch die vielen Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II. Dort gaben 37,4 der Betriebe an, dass sich trotz des Konjunkturpakets die Auftragslage nicht verbessert habe. 17,6 Prozent sagten, es sei noch nicht zu konkreten Projekten gekommen. Elf Prozent wussten von einer besseren Auftragslage zu berichten.




