„Die neuen Frequenzen können dazu führen, dass Marktanteile in Deutschland weiter in Bewegung kommen“, sagte Kurth. Derjenige, der für das mobile Internet als Erster das beste und schnellste Netz baue, werde auch die meisten Kunden gewinnen oder abwerben. Am Montag beginnt die Mobilfunkauktion in Mainz. Zur Versteigerung steht mehr Spektrum, als die Mobilfunker heute zusammen nutzen. Bieten dürfen nur die Mobilfunker.
Derzeit haben T-Mobile und Vodafone etwa zu gleichen Teilen zusammen 70 Prozent der Handykunden in Deutschland für sich gewonnen. Die kleineren Anbieter E-Plus und O2 konnten ihren Anteil in den vergangenen Jahren von 20 auf etwa 30 Prozent ausbauen. „Dieser Umverteilungsprozess kann natürlich auch weitergehen“, sagte Kurth der Zeitung. „Die Auktion wird mit Sicherheit die Marktchancen beeinflussen.“ Er empfehle daher allen, die Frequenzspektrum ersteigern, rasch mit dem Netzausbau zu beginnen.
Angesichts der stark zunehmenden Nutzung des mobilen Internets erwarten Experten in einigen Jahren auch mit den neuen Frequenzen Engpässe in den Mobilfunknetzen. Einen Teil der nun zur Versteigerung stehenden Frequenzen mussten die Rundfunkanstalten trotz heftigen Widerstandes hergeben. Politiker drängten auf die Herausgabe, um damit eine drahtlose Internetversorgung auch in ländlichen Regionen zu sichern. Der Chef der Bundesnetzagentur schloss nicht aus, dass künftig noch mehr Frequenzen der Rundfunksender für das mobile Internet genutzt werden könnte. Die Welt bleibe nicht stehen, sagte er. Es sei Realität, dass Fernsehen auch über das mobile Breitband übertragen werde. „Wenn es in Zukunft um hochauflösendes Fernsehen oder gar 3-D-Fernsehen geht, wird man irgendwann die Frage stellen, ob das neben Kabel, Satellit und Breitbandinternet auch noch terrestrisch ausgestrahlt werden muss.“
Der Chef der Bundesnetzagentur widersprach dem Vorwurf, es gehe bei der Auktion darum, möglichst viel Geld für die Staatskasse einzunehmen. „Grundsätzlich ist es ein Missverständnis zu glauben, dass eine Versteigerung erst dann erfolgreich ist, wenn wir hohe finanzielle Erträge haben.“ Das Ziel sei vielmehr ein Leistungsfähigkeitstest. „Derjenige, der den durch die Auktion ermittelten realen Wert bezahlt, bietet auch die Gewähr dafür, dass er am schnellsten das Netz aufbaut“, sagte Kurth. Allein der ökonomische Druck sorge dafür, dass kein totes Kapital herumliege und Frequenzen gehortet würden. Es gebe auch kein Druck des Bundesfinanzministeriums, möglichst viel einzunehmen. „Man weiß dort schon von früheren Auktionen, dass wir darauf keinen Einfluss haben und auch nicht haben wollen“, sagte Kurth.
Die Bundesnetzagentur versteigert die Frequenzen, obwohl mehrere Unternehmen und Organisationen dagegen klagen, darunter auch einige Rundfunkgesellschaften. Kurth verteidigte dieses Vorgehen. „Wir dürfen uns doch nicht erpressbar machen“, sagte er. Es könne nicht mit jeder beliebigen Klage die Vergabe wichtiger Frequenzen, an denen die Zukunft der gesamten Volkswirtschaft hänge, durch „angebliche, zweifelhafte Ansprüche Einzelner blockiert werden“. Zwar habe er im Vorfeld mit allen Klägern Gespräche geführt. „An irgendeinem Punkt bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, dass es leider keine Chance gibt, die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen.“
Bei dieser Auktion müsse das öffentliche Interesse an einer raschen Frequenznutzung absoluten Vorrang haben. Kurth: „Weiter abzuwarten ist daher keine Option.“





