Die Liste ist lang: Mehr als 700 Kommunen sind in Deutschland laut dem Branchenverband Bitkom noch abgehängt vom schnellen Internet, fast ausschließlich in ländlichen Regionen. Das entspricht rund 1,3 Millionen Millionen Haushalten oder 2,5 Millionen Menschen. Die betroffenen Gemeinden hat die Bundesnetzagentur nun in einer Liste zusammengestellt. Aufgeführt sind dort alle Bundesländer mit Ausnahme der Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin.
Für die genannten Städte und Gemeinden gilt: Viele Haushalte erreichen nicht einmal eine Internetgeschwindigkeit von 1 Mbit. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Internetzugang in den Großstädten kommt meist auf bis zu 16 Mbit, mit dem modernen VDSL sind sogar bis zu 50 Mbit möglich. Erst solch hohe Geschwindigkeiten ermöglichen es beispielsweise, HD-Fernsehen zu empfangen, Videochats zu führen, E-Mails mit großen Anhängen schnell herunterzuladen oder Musik zu kaufen. Für Unternehmen bedeutet ein langsames Internet deswegen oft einen großen Wettbewerbsnachteil. Eine Alternative sind bislang Satellitenverbindungen, die aber umständlich zu installieren sind und eine langsame Reaktionszeit haben ("Ping").
Die Bundesregierung hat den betroffenen Gemeinden versprochen, dass bis Ende des Jahres überall zumindest 1 MBit verfügbar sein soll. Die Regulierungsbehörde erhofft sich eine Verbesserung durch die neuen Mobilfunkfrequenzen, die seit Montag versteigert werden. Die neue sogenannte 4G-Technologie soll deutlich schnelleres Internet ermöglichen als die bisherige Handytechnik, aber auch als DSL- und Kabelanschlüsse. Die Bieter müssen sich verpflichten, mit den ersteigerten Frequenzen zuerst ländliche Gebiete zu versorgen, die bislang noch nicht ans schnelle Internet angeschlossen sind, da das Verlegen von Kabeln in die Regionen sich wirtschaftlich nicht lohnt.
Kritik üben Verbraucherschützer: Der Experte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Michael Bobrowski, monierte im Deutschlandfunk, mögliche Störungen durch die neue Technik etwa bei Antennen- oder Kabelfernsehbildern seien nicht ausreichend erforscht. Ungeklärt sei bislang auch, wer die Kosten für die Beseitigung solcher Störungen tragen müsse. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hatte bereits am Wochenende kritisiert, in Folge eines massiven Ausbaus von Mobilfunktechnik sei mit einer höheren Elektrosmog-Belastung und gesundheitlichen Schäden zu rechnen.
lw mit AFP





