Der Kampf um die Übernahme der Warenhauskette Karstadt wird noch komplizierter: Der italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti hat Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg Ende vergangener Woche ein Kaufangebot unterbreitet. Das Gerücht war schon länger am Markt, jetzt hat es Borletti in der „Bild am Sonntag“ bestätigt: „Ich habe beim Insolvenzverwalter ein eigenes Angebot für Karstadt abgegeben. Eine Liquidation ist keine Option“.
Große Chancen werden dem Übernahmeversuch derzeit allerdings noch nicht eingeräumt, da weiterhin Nicolas Berggruen als Karstadt-Käufer gilt. Er hatte im Juni den Kaufvertrag unterschrieben. Seither ist es dem Milliardär allerdings nicht gelungen, sich mit Vermietern oder deren Finanzierern über die Konditionen der Übernahme zu einigen. Insbesondere mit der Valovis-Bank, die zahlreiche der Karstadt-Immobilien finanziert hat, kommt der Investor nicht voran. Valovis könnte zum Verbündeten Borlettis werden.
Insolvenzverwalter Görg reagiert kühl auf Borletti: „Die Angebotsfrist endete am 28.?Mai 2010, es gibt einen notariell unterzeichneten Kaufvertrag, den die Insolvenzverwaltung erfüllen will. Das Anschreiben von Herrn Borletti lässt mehr Fragen offen, als es beantworten könnte“, erklärte ein Sprecher. Borletti hatte Berggruen schon mehrfach öffentlich attackiert und unter anderem in einem Brief an Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) davor gewarnt, ihn bei Karstadt zum Zuge kommen zu lassen. Berggruen habe weder die notwendige Kompetenz noch die Finanzen, er wolle Karstadt zerschlagen, erklärte der italienische Warenhausbetreiber.
Doch Borlettis neuer Vorstoß sorgt nicht nur bei Berggruen und Görg für schlechte Laune. Auch bei Karstadts Vermieterkonsortium Highstreet ist man alles andere als begeistert. Borletti ist seit 2007 Teil dieses Konsortiums, wenn auch mit weniger als drei Prozent der Anteile. Die Reaktion fiel denn auch deutlich aus: „Highstreet ist nicht Teil des Angebots von Herrn Borletti. Es gibt einen Kaufvertrag zwischen Herrn Görg und Herrn Berggruen für Karstadt. Solange Herr Görg das Angebot von Herrn Borletti nicht in Erwägung zieht, gibt es für uns keinen Anlass, dieses Angebot zu prüfen“, erklärte Highstreet.
Tatsächlich scheint das Angebot erst in dem Augenblick zu greifen, in dem der Verkauf an Berggruen platzt. Eine Einigung von Highstreet mit Berggruen könne Borletti mit seiner Mini-Beteiligung am Vermieterkonsortium allerdings nicht torpedieren, heißt es.
Kein Finanzierungsnachweis erbracht
Das Schreiben, mit dem sich Borletti um Karstadt bewirbt, umfasst nach Angaben von Personen, die am Verfahren beteiligt sind, gerade vier Seiten. Es sei zwar von einem Kaufpreis von 100 Mio. Euro die Rede, ein Finanzierungsnachweis werde jedoch nicht erbracht. Auch von einem Konzept zum Betrieb von Karstadt finde sich nichts in dem Papier, ebenso wenig wie Angaben zu den Sanierungsanstrengungen der Arbeitnehmer. Angeblich soll Borletti mit der Investmentgesellschaft Gordon Brothers in Kontakt stehen, die sich schon im Frühjahr für Karstadt interessierte, als Anbieter die Zahlen des Unternehmens im sogenannten Datenraum einsehen konnten. Auch beim Verkauf der insolventen Discount-Warenhauskette Woolworth vor einigen Wochen hat Gordon Brothers nach Marktspekulationen geboten, allerdings letztlich ohne Erfolg.
Borletti dürfte Hoffnungen vor allem auf die Valovis-Bank setzen. Deren Chef Robert Gogarten werden sehr viel mehr Sympathien für den Italiener als für Berggruen unterstellt. Lässt Gogarten die Verhandlungen mit letzterem platzen, könnte der Weg für Borletti frei sein. Der hat nach Morgenpost-Online-Informationen in den vergangenen Wochen mehrfach mit Metro-Chef Eckhard Cordes telefoniert. Daraus könnte ein europäischer Warenhauskonzern aus Karstadt, Metros Kaufhof und den Borletti-Marken La Rinascente in Italien und Printemps in Frankreich werden.
Deutsche-Bank-Tochter war informiert
Über die Borletti-Offensive war die Deutsche Bank-Tochter Rreef offenbar deutlich früher und genauer informiert als Goldman Sachs. Beide Banken stehen hinter Highstreet, sind sich allerdings schon lange nicht mehr grün. Während Goldman das Kapitel Karstadt schnell abschließen will, sucht Rreef offenbar noch immer nach anderen Möglichkeiten. In Bankenkreisen wird die unterschiedliche Strategie damit erklärt, dass Goldman Sachs seine eigenen Highstreet-Investitionen inzwischen weitgehend abgeschrieben hat, während der Millionen-Einsatz der Deutschen Bank für das schlechte Geschäft mit Highstreet noch in den Büchern des Konzerns stehe.





