Der amerikanische Kongress hat beschlossen, die Abwrackprämie deutlich aufzustocken. Nach dem Repräsentantenhaus stimmte nun auch der Senat zu, die dafür vorgesehenen Mittel um zwei Mrd. Dollar (umgerechnet rund 1,4 Mrd. Euro) zu erhöhen. Die erste Milliarde war wegen der hohen Nachfrage bereits nach einer Woche aufgebraucht. Nun wird erwartet, dass Präsident Barack Obama das Gesetz so bald wie möglich unterschreibt. Obama hatte die Abwrackprämie eingeführt, um die schwer angeschlagene US-Autoindustrie anzukurbeln und den Umstieg auf abgasärmere und sparsamere Autos zu beschleunigen.
Amerikanische Autohersteller nahmen die Nachricht mit Freude auf. Ford prüft nun, ob es vielleicht nötig sein wird, die Produktion auszuweiten. Das Unternehmen spricht nun mit seinen Zulieferern um festzustellen, wie schnell sie auf einen Nachfrageschub reagieren können. Bei der Autogewerkschaft UAW sollen bereits Anfragen eingegangen sein, ob die Arbeitszeit kurzfristig erhöht werden kann.
Auch General Motors (GM) zeigte sich erfreut: Die Kunden und Händler seien für die Hilfe des Kongresses dankbar, erklärte Verkaufsdirektor Mark LaNeve. Die Prämienaufstockung helfe dabei, dass mehr saubere Autos auf den Straßen fahren.
Die Autoindustrie in den USA verkauft derzeit so wenig Fahrzeuge wie zu Zeiten der zweiten Ölkrise Anfang der 80er-Jahre. Nach Angaben des Verkehrministeriums stammt angeblich knapp die Hälfte der mit der Prämie erworbenen Autos von US-Herstellern. Und von den verbleibenden 55 Prozent sei der Großteil in amerikanischen Werken gebaut worden.
Trotz des Erfolgs der Prämie gab es in den vergangenen Tagen erheblichen Widerstand gegen die Aufstockung. Vor allem republikanische Abgeordnete befürchten, dass die finanzielle Hilfe beim Kauf eines neuen Autos den Wettbewerb verzerre und den Staatshaushalt unnötig belaste. Bei der Abstimmung sprachen sich schließlich 60 Senatoren für eine Ausweitung der Prämie aus und 37 dagegen. Allerdings befanden sie sich in einer heiklen Lage: Das Repräsentantenhaus hatte den Vorschlag vergangene Woche genehmigt und sich dann in die Sommerpause verabschiedet. Hätte der Senat noch Änderungen am Gesetz vornehmen wollen, dann hätte er seinen Entwurf dem Repräsentantenhaus erst im September vorlegen können.
Die US-Regierung unterstützt damit weiterhin Käufer mit bis zu 4500 Dollar, die ihr Auto gegen ein spritärmeres Gefährt eintauschen. Die Aktion wird „Cash for Clunkers“ („Bares für Rostlauben“) genannt. Die Höhe der Prämie schwankt je nach Fahrzeugtyp und Umweltbelastung. Das alte Auto muss mindestens ein Jahr auf den Namen seines Besitzers zugelassen sein und mehr als 13 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Der Verbrauch des neuen Fahrzeugs muss deutlich darunter liegen. Die Altfahrzeuge müssen wie in Deutschland verschrottet werden.
Der Anreiz funktioniert viel besser als im Vorfeld erwartet. Bereits in der ersten Woche wurden mehr als 20000 Fahrzeuge verschrottet. Experten gehen davon aus, dass die neuen Mittel höchstens bis Anfang September reichen. Bislang belastete das Geld für die Prämie den Staatshaushalt nicht unmittelbar, das es aus einem Fonds für Investitionen in umweltschonende Technologien stammt.





