Zum ersten Mal seit Jahrzehnten sind die USA nicht mehr die wettbewerbstärkste Volkswirtschaft der Welt. Das geht aus einer Studie des Schweizer International Institute for Business Development (IMD) hervor. Demnach ist Singapur die wettbewerbsstärkste Region vor Hongkong, die USA kommen nur auf Platz drei. Im vergangenen Jahr hatte die größte Volkswirtschaft der Welt noch vor den beiden asiatischen Staaten gelegen. Deutschland belegt unter 58 Staaten den 16. Rang.

Singapur und Hongkong hätten von der starken Erholung in Asien profitiert genauso wie Australien auf Platz fünf, Taiwan auf Rang acht und Malaysia. Malaysia machte von allen Ländern im vorderen Feld den größten Sprung nach vorn und kletterte von Platz 18 auf zehn. Insgesamt analysierte das IMD 58 Länder nach 327 Wettbewerbsindikatoren wie etwa der Effizienz der öffentlichen Verwaltung oder die Innovationsfähigkeit der Unternehmen.

Technologischer Fortschritt sowie eine starke Wirtschaftsführung hätten den USA geholfen, die Finanzkrise besser zu überstehen als andere Länder, auch wenn das Land infolge der Finanzkrise seinen Spitzenplatz verloren habe, heißt es. Als bestes europäisches Land kommt die Schweiz auf Platz vier. Ebenfalls stark schneiden die skandinavischen Länder ab: Schweden belegt Platz sechs, Norwegen Rang neun, Dänemark wird 13.

Deutschland rutscht im Vergleich zu 2009 um drei Plätze ab und wird neben Malaysia noch von Qatar und Österreich überholt. Deutschland "führe aber nicht überraschend die Gruppe großer Volkswirtschaften an", schreiben die Autoren. Obwohl das Land mit einem hohen Haushaltsdefizit kämpfe, könne es auf seinen starken Export, seine hervorragende Infrastruktur und seinem guten finanziellen Ruf bauen. Großbritannien kommt auf Platz 22, Frankreich auf Rang 24, Japan auf Position 27. Die angeschlagenen Euroländer landen allesamt nur im hinteren Drittel. Schlusslicht ist Venezuela.

Das Institut veröffentlicht auch den Schulden-Stress-Test. Dabei wird festgestellt, wie lange die jeweiligen Länder brauchen, um ihre Verschuldung auf 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu bringen. Deutschland und Großbritannien sollten die 60 Prozent bis 2028 erreichen, Frankreich ein Jahr später.

Am schlechtesten schnitt Japan ab. Das hoch verschuldete Land wird der Studie zufolge bis ins Jahr 2084 benötigen, um seine Schulden auf 60 Prozent des BIP zu senken. Auch Italien und Portugal werden sehr lange brauchen: Italien bis 2060, Portugal bis 2037 und Griechenland bis 2031.

Die Experten legten bei ihren Berechnungen ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum wie im Zeitraum 2000 bis 2009 zugrunde. Unterstellt wurde zudem, dass es keine größeren Änderungen bei den Zinsen sowie Gesundheits- und Pensionskosten gibt. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge handelt sich bei einem Schuldenstand von 60 Prozent des BIP um ein „erträgliches“ Verhältnis.

„Was zählt, ist nicht nur die absolute Größe der öffentlichen Verschuldung, sondern auch die Dauer, die erforderlich ist, sie abzubauen“, sagte IMD-Professor Stephane Garelli. „Letztlich könnten verschuldete Länder an Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität einbußen.“

mit Reuters