Mit das größte Ärgernis auf langen Flügen sind die engen Sitzabstände. Von der Geräumigkeit einer Business oder gar First Class können Passagiere der Economy Class nur träumen. Doch wie eng geht es in der "Holzklasse wirklich zu?

Trotz neuer Flugsessel sind Beinfreiheit und Sitzbreite Mangelware in der Sardinendose. Experten des Magazins Reise & Preise haben die Langstreckenflotten von 42 Fluggesellschaften unter die Lupe genommen.

Wie viel Platz ein Mensch auf Langstreckenflügen mindestens braucht, ist schwer zu sagen. Ein "Reise & Preise"-Praxistest ergab, dass ein 1,85 Meter großer Passagier mit normalen Proportionen einen Sitzplatzabstand von etwa 80 Zentimeter benötigt, um seine Knie in aufrechter Sitzposition zusammenbringen zu können und so ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit zu haben. Ein Passagier ändert einer Studie des Sitzherstellers Recaro zufolge bis zu dreimal pro Minute seine Sitzposition.

Doch den Konstrukteuren der Jetbestuhler sind Grenzen gesetzt: So müssen kleine, große, dicke und dünne Menschen auf dem gleichen Modell möglichst bequem und schmerzfrei sitzen. Bei einem Größenunterschied von 30 bis 40 Zentimetern endet die ergonomische Sitzoptimierung also immer in einem Kompromiss.

Dennoch: Die neuen Sitzgenerationen bieten bei gleichem Sitzabstand mehr Platz für die Beine, weil die Lehnen dünner geworden sind bzw. weil Ausbuchtungen im Vordersitz zusätzlichen Raum schaffen.

Fakt aber ist, dass 87 Zentimeter bei Economy-Spitzenreiter Asiana Airlines und die 48 Zentimeter breite Sitzfläche im A 380 von Singapore Airlines den "Holzklässlern" spürbar mehr Komfort bieten als die 76 Zentimeter in der Touristenklasse von Condor und die mit 41 Zentimetern sehr schmalen Sitze von Transsat. Zum Vergleich: In Reisebussen beträgt der Sitzplatzabstand vergleichbare 74 bis 85 Zentimeter, in der 2. Klasse eines ICE je nach Ausführung 92 bis 97,1 Zentimeter.

Gegen Geld am Notausgang sitzen

Immer mehr Fluggesellschaften gehen dazu über, die geräumigeren Sitzreihen an den Notausgängen, den Übergängen zur Business Class und im Servicebereich gegen Aufpreis abzugeben.

Was bei Low Cost Airlines längst an der Tagesordnung ist, haben Air Transsat (43 Euro je Strecke), KLM (50 Euro) und Singapore Airlines(50 US-Dollar) auf der Fernstrecke als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt. Doch aufgepasst: Oftmals befinden sich diese Plätze im direkten Umfeld der Küchen und Toiletten, so dass dem Mehr an Beinfreiheit Duftnoten unterschiedlicher Prägung und nächtliche Betriebsamkeit gegenüberstehen.

Zudem ragen die bauchigen Türen der Notausgänge oft so weit in die Kabine, dass die Fensterplätze meist kein Plus an Komfort bringen. In der Auflistung der "besten Plätze" bleiben daher Fenster-Notsitze und den Toilettenbereich weitgehend unberücksichtigt, sofern es bessere Alternativen gab.

Hundertprozentig verlassen kann man sich auf die Angaben der Best-Position-Seats allerdings nicht. Allein von der Boeing 747 gibt es über ein Dutzend Baureihen und Versionen, ältere und neuere Baureihen, Passagier-Fracht-Kombinationen und Long Versions. Dazu gibt es Zwei-, Drei- und Vier-Klassen-Variationen – die je nach Flugziel und Einsatzgebiet unterschiedliche Sitzkonfigurationen aufweisen. Für die Tabelle haben wir Airlines gebeten, uns jene Flugzeugtypen zu nennen, die ab/bis Europa eingesetzt werden.

Trotzdem kann es vorkommen, dass ein planmäßiger Flieger ausfällt und kurzfristig ein anderes Flugzeug zum Einsatz kommt. Dann nützt es auch nichts, wenn man vorher die besten Plätze des Flugzeugs kennt und diese frühzeitig im Voraus reserviert hat.

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Mehr über "Premium-Economy", den Flugsessel der Zukunft und eine ausführliche Tabelle über 42 Fluggesellschaften im aktuellen Reise & Preise-Heft (4,90 Euro),
www.reise-preise.de

heg