Zwischen dem Gefühl, in einer Sardinenbüchse zu reisen, und dem, Sitzkomfort über den Wolken zu erleben, liegen nur ein paar Zentimeter. Zentimeter, die immer mehr Fluggesellschaften zu Geld machen wollen – mithilfe einer separaten Klasse, die zwischen regulärer Economy- und Businessclass angesiedelt ist und deren Sessel bis zu 20 Zentimeter mehr Platz bieten als ein Sitz in der engen Holzklasse.
Immer mehr Fluggesellschaften setzen darauf. Ganz aktuell führt zum Beispiel Japan Airlines ihr Extraabteil, die Premium Economy, auf Flügen von Frankfurt nach Tokio ein. Kernstück des Produktes ist der neu entwickelte „Skyshell-Sitz“, der erste muschelförmig gestaltete Sitz in einer Zwischenklasse. „Die Kunden haben uns gezielt nach genau so einem Produkt gefragt“, sagt Uwe Andres von Japan Airlines.
Auch die australische Qantas setzt künftig auf eine Zwischenklasse. Ab April wird die Premium Economy in den Boeing-747-Maschinen angeboten (künftig auch im neuen A 380) und auf internationalen Strecken, etwa von Sydney nach London, Hongkong und Johannesburg, eingesetzt.
Die erste Fluggesellschaft weltweit, die eine Zwischenklasse anbot, war die private taiwanische Fluggesellschaft Eva Air 1992 – ihre Zwischenklasse kommt auf Asienstrecken von London und Amsterdam zum Einsatz (Vorteile gegenüber der Economy: 13 Zentimeter mehr Beinfreiheit, fünf Kilo mehr Freigepäck – Aufpreis pro Hin- und Rückflug ab 275 Euro). Heute bieten mehr als zehn Liniengesellschaften eine Zwischenklasse an. Vor allem, um ihre wichtigste Klientel, die Geschäftsreisenden, nicht zu verlieren. Weil immer mehr Firmen an der Kostenschraube drehen und ihre Mitarbeiter statt in der Business- in der Economyclass einchecken, wird für diese Kunden der soziale und komfortmäßige Abstieg mit der Zwischenklasse zumindest abgemildert.
Doch auch für Urlauber, die sich nicht in enge Economy-Sitze quetschen wollen, ist die Premium Economy eine bequeme Alternative. Wichtigster Unterschied zur Economyclass ist der Sitzabstand, also der Raum zwischen Hinterkante Rückenlehne und Hinterkante Rückenlehne – im ungeneigten Zustand. Meist sind es nur wenige Zentimeter mehr, die dem Passagier zur Verfügung stehen, wahrlich kein Luxus, doch sie entscheiden vor allem auf einem Langstreckenflug über das Wohlbefinden.
Doch Premium Economy ist nicht gleich Premium Economy. Das zeigt ein Blick in die unten stehende Tabelle. Vor allem in puncto Extras ist das Angebot sehr uneinheitlich. Während bei Air France beispielsweise zwei Wahlmenüs aus der Businessclass, Kulturtäschchen und bevorzugte Gepäckausgabe geboten sowie 50 Prozent mehr Meilen gutgeschrieben werden, gibt es in der World-Traveller-Plus-Klasse von British Airways kaum mehr als in der Economyclass – dafür zahlt der Kunde aber fast doppelt so viel wie für den Flugschein in der Holzklasse.
Bequemer reisen können bald auch Passagiere des Ferienfliegers Condor. Im November soll die Premium Economy auf der Fernstrecke (rund 30 Ziele) zur Verfügung stehen (15,2 Zentimeter mehr Beinfreiheit als in der Economyclass). Und Lufthansa? Die bleibt bei den regulären drei Klassen und sieht keinen Bedarf für ein viertes Abteil.

