Die Bundesregierung drängt die Banken auf eine rasche Einigung im Streit um überhöhte Gebühren am Geldautomaten. Die von den Sparkassen und Genossenschaftsbanken präferierte Obergrenze von fünf Euro für alle Kunden, die an fremden Automaten Bargeld ziehen, ist aus Sicht von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) zu hoch. „Ich sehe hier noch Luft nach unten“, sagte Aigner nach einem Gespräch mit Vertretern des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Die Gebühren müssten runter, und zwar deutlich. Aus Sicht der privaten Banken sollte die Grenze eher bei zwei Euro liegen.
Nach einer Untersuchung der Finanzberatung FMH von Ende Januar sind die Gebühren für Kunden an fremden Geldautomaten im vergangenen halben Jahr um 13 Prozent auf durchschnittlich 5,64 Euro pro Auszahlung gestiegen. Einige Geldhäuser verlangen demnach sogar zehn Euro pro Transaktion. Noch höher sind die Beträge, die sich Banken untereinander in Rechnung stellen. Die Spitzenreiter wollen 20 Euro von der Bank des fremden Kunden.
Das Bundeskartellamt leitete wegen des Verdachts auf überhöhte Gebühren eine Prüfung ein und erhöhte damit gerade auf die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die über die größten Automatennetze verfügen, den Druck.
Bislang gibt es keine Einigung. Eckpunkte würden derzeit zwischen den Verbänden und mit dem Kartellamt besprochen, teilte der BdB mit. Alle Beteiligten stimmten jedoch darin überein, dass die Bargeldversorgung der Bevölkerung wesentlich sei und die Preise deutlich sinken müssten.
Wie die Privatbanken hält auch die Opposition im Bundestag eine Obergrenze von zwei Euro für sinnvoll. „Zwei bis drei Euro als Obergrenze sind absolut ausreichend, auch bei Automaten die eher in ländlichen Gegenden stehen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn der dpa. Die SPD-Fraktion sprach von „Abzocke“, die Linke von Willkür, weil die tatsächlichen Kosten geringer seien. Je nach Institut schwanken die Angaben für Anschaffung und Wartung der Automaten, sowie Bereitstellung des Bargeldes zwischen 50 und 80 Cent pro Transaktion.
Die Gebühren müssen allerdings nur die Minderheit der Kunden wirklich zahlen. Rund 95 Prozent heben nur an Automaten der eigenen Bank ab, sagte Aigner – oder innerhalb des eigenen Netzes. Von den rund 55.000 Geldautomaten betreiben die Sparkassen knapp 26.000, die Genossenschaftsbanken an die 19.000, der Rest entfällt auf die von privaten Banken dominierten Cash Group 7000 und Cashpool 2500.
Mehr Klarheit, wie die künftige Gebührenstruktur an Fremdautomaten aussieht, soll es bis Mitte April geben. Weniger umstritten als die Obergrenze sind die anderen Eckpunkte, auf die sich die Branche bereits weitgehend geeinigt hat. So soll die Deckelung zeitlich befristet sein. Von eineinhalb Jahren ist die Rede. Zudem soll der Kunden direkt beim Abheben auf dem Bildschirm des Automaten sehen können, wie viel ihn diese Transaktion kostet.
Er kann den Vorgang dann noch abbrechen und zu einem anderen Automaten gehen. Und auch ein Schlichter aller Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken ist in der Diskussion. Er soll die Gebührenausreißer zur Besinnung rufen.





