Konkurrenz aus Europa

Deutsche Bahn will Regionalverkehr verbessern

Die Deutsche Bahn verspricht im Regionalverkehr mehr Qualität, Servicefreundlichkeit und Transparenz. Denn sie will bei den kommenden Neuausschreibungen von Verbindungen wieder häufiger den Zuschlag erhalten. Denn die Bahn fürchtet sich vor neuen europäischen Konkurrenten.

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Die Deutsche Bahn (DB) stellt sich auf deutlichen schärferen Wettbewerb im Personenverkehr ein. Der Konzern erwartet in den kommenden Jahren eine Welle von Übernahmen und Fusionen unter den europäischen Schienenkonzernen. Nach Einschätzung des Vorstandchefs von DB Regio, Frank Sennhenn, wird das Gros der kleineren Bahnen verschwinden, am Ende bleiben drei bis fünf große Anbieter – in ganz Europa.

Die Bahn reagiert darauf im Regionalverkehr mit einer neue Strategie. Einerseits will der DB-Konzern Wettbewerbern künftig Einblicke in die Erlösstrukturen der DB-Regio-Töchter gewähren und für die wiederholt geforderte Transparenz bei Fragen der Tarife, Einnahmeaufteilungen und des Vertriebs sorgen. Andererseits erwartet der Bahn-Konzern, dass es künftig bei Ausschreibungen von Regional-Strecken durch die Besteller mehr Freiheiten für die Anbieter gibt.

Derzeit schreiben die Länder oder Verkehrsverbünde detailliert aus, wie die Anbieter den Schienenverkehr auf bestimmten Strecken organisieren sollen – das geht bis hin zur Vorgabe der Fahrzeiten und Takte, der Ticketpreise und Qualität. Das, so Sennhenn, lasse Wettbewerb nur noch im Bereich der Lohnkosten zu. Die Bahn hofft, durch mehr Gestaltungsmöglichkeiten gegenüber anderen Unternehmen punkten zu können. Wettbewerbsvorteile, die der Konzern derzeit hat, sei man bereit abzugeben, da sie aufgrund drohender Regulierung ohnehin nicht dauerhaft zu verteidigen wären.

Hintergrund des Strategiewechsels ist zum einen das Auslaufen zahlreicher langfristiger Verkehrsverträge, die der Konzern nach der Bahnreform 1994 mit den Bestellern abgeschlossen hatte. Das bedeutet, dass es in den kommenden drei bis vier Jahren in großem Umfang zur Vergabe neuer Regionalstrecken kommt. Die DB-Tochter Regio schnitt bei der Verteidigung bestehender Verkehrsverträge unterschiedlich erfolgreich ab. 2009 gewann die DB 77 Prozent der Verträge zurück, 2008 waren es nur 28 Prozent. Grund ist auch, dass Wettbewerber weniger häufig bei Ausschreibungen mitbieten, weil sie damit beschäftigt sind, bestehende Verträge zu erfüllen.

Zudem beobachten die DB-Manager mit Argusaugen die Verhandlungen über Fusionen in der Branche. So verhandelt derzeit die Tochter Keolis der französischen Staatsbahn SNCF über ein Zusammengehen mit dem britischen Eisenbahn-Konzern Arriva. Parallel dazu versucht die französische Regierung eine Fusion des Schienenriesen Transdev, an dem maßgeblich die die staatliche Bank Caisse des Dépôts beteiligt ist, mit dem ebenfalls französischen Verkehrskonzern Veolia Transport einzufädeln.