Streit um Abfindung

Arcandor-Betriebsrat fordert Millionen von Ex-Chef

Dem letzten Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick wurde die Ausbezahlung seines Fünf-Jahres-Vertrages garantiert, unabhängig davon, wie es mit der Karstadt-Mutter weitergeht. Schon nach drei Monaten kam die Insolvenz, Eick musste seinen Hut nehmen. Was passiert nun mit den versprochenen 15 Millionen?

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Um die umstrittenen Millionen-Garantien an den früheren Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick gibt es neuen Ärger: Der Gesamtbetriebsrat des insolventen Unternehmens fordert in einem Brief an Eick, endlich sein Versprechen zu erfüllen und ein Drittel seines Garantie-Gehalts an arbeitslose Arcandor-Mitarbeiter zu spenden. Eick hatte vom damaligen Arcandor-Großaktionär, der Bank Sal. Oppenheim, für seinen am 1. März 2009 beginnenden Fünf-Jahres-Vertrag ein Salär von 15 Millionen Euro garantiert bekommen. Nach nur einem halben Jahr allerdings schied Eick wieder aus, als für das Unternehmen das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Das Recht auf seine 15 Millionen Euro jedoch hatte er weiterhin.

Da tausende frühere Arcandor-Mitarbeiter durch die Insolvenz ihre Jobs verloren wurden Eick und Sal. Oppenheim für die Millionen-Garantie in der Öffentlichkeit heftig attackiert. Der Kritik an der Bezahlung des Top-Managers schloss sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an. Daraufhin hatte Eick versprochen, ein Drittel des Geldes, das er von Sal. Oppenheim bekommt, für die Mitarbeiter zu spenden. Inzwischen allerdings ist Sal. Oppenheim selber in finanziellen Schwierigkeiten und größtenteils von der Deutschen Bank übernommen worden.

Nach Informationen von Morgenpost Online hat der Ex-Chef die 15 Millionen Euro von Sal. Oppenheim bisher auch noch gar nicht bekommen. Danach kassiert er von dem Bankhaus lediglich die Beträge, die ihm monatlich zustehen. Eine größere Abschlagszahlung oder eine Abfindung in Millionenhöhe sei nicht zu erwarten, hieß es im Umfeld.

In einem Brief an Arbeitnehmervertreter und Insolvenzverwalter Görg versichert Eick nach Informationen von Morgenpost Online jetzt, dass er zu seinen Versprechungen stehen wolle. Er werde aus seinen laufenden Einnahmen Geld in eine gemeinnützige Organisation einzahlen, etwa in eine Stiftung. Diese solle dann frühere Arcandor-Mitarbeiter dabei unterstützen, sich etwa durch die Selbstständigkeit eine neue Existenz aufzubauen. Die Stiftung, an deren Konstruktion Eicks Juristen offenbar bereits arbeiten, soll die früheren Mitarbeiter zum einen finanziell unterstützen und zum anderen beraten. Eick äußert sich zu der Sache nicht.

Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor, der vor einem Jahr noch fast 100.000 Mitarbeiter hatte, musste Anfang Juni 2009 – drei Monate nach dem Amtsantritt Eicks - in die vorläufige Insolvenz. Seit September läuft das reguläre Insolvenzverfahren. Ein Komplettverkauf des Konzerns scheiterte. Inzwischen haben etwa die Touristiktochter Thomas Cook, das Auslandsgeschäft des Versenders Quelle oder der Shoppingsender HSE 24 neue Eigentümer. Quelle Deutschland wurde abgewickelt. In diesem Frühjahr will der Insolvenzverwalter noch die Warenhauskette Karstadt verkaufen.