Nach dem Branchenkonkurrenten Bayer hat nun auch der größte Chemiekonzern der Welt, die Ludwigshafener BASF, die Nachfolge an der Unternehmensspitze geregelt. Der bisherige Finanzvorstand Kurt Bock soll im Mai 2011 den bisherigen Konzernchef Jürgen Hambrecht als Vorstandsvorsitzender ersetzen. Darauf einigte sich der Aufsichtsrat. Stellvertretender Vorstandschef wird der Asien-Chef des Chemieriesen, Martin Brudermüller. Beide galten zuletzt als potenzielle Kronprinzen.

Der 51-Jährige Bock konnte sich aber wegen seiner größeren Kapitalmarktfähigkeit und seiner längeren Vorstandszugehörigkeit durchsetzen. „Mit Kurt Bock übernimmt ein international erfahrener und vielseitiger Unternehmer die Führung der BASF“, sagte Aufsichtsratschef Eggert Voscherau. Der Aktienkurs des Konzerns legte nach dem Bekanntwerden der Personalentscheidungen deutlich um 1,38 Prozent auf 43,40 Euro zu.

Mit Kurt Bock übernimmt ein ausgewiesener Kapitalmarktexperte und studierter Wirtschaftswissenschaftler die Spitzenposition bei dem Traditionskonzern. Analysten sehen daher die Wahl von Bock auch als klares Zeichen dafür, dass der Konzern sich stärker als bisher um Finanzmarkt-Themen kümmern will. Hambrecht und auch sein Amtsvorgänger Jürgen Strube waren ausgewiesene Experten im operativen Geschäft.

Der 63 Jahre alte Hambrecht legte bereits vor der Berufung zum Vorstandschef die Basis für ein erfolgreiches Asiengeschäft und baute dieses in seiner Amtszeit weiter aus. Viele Beobachter hatten daher damit gerechnet, dass die Wahl auf den Asien-Chef Brudermüller fallen würde – zumal der 49 Jahre alte Manager als der bessere Kommunikator auch bei den Mitarbeitern gilt. Nun übernimmt er den Posten des stellvertretenden Vorstandschefs und wird daher wohl nach Deutschland zurückkehren. Daher nehmen auch die Spekulationen zu, nach denen der Konzern in den nächsten Monaten vor einem großen Vorstandsumbau steht, bei der auch die frühere Personalchefin der Deutschen Bahn, Margret Suckale, als erste Frau in den BASF-Vorstand einziehen könnte.

Anders als etwa Bayer hat sich BASF mit Bock für eine interne Lösung entschieden. Der Finanzchef, der sich bei Small Talks stets schwer tut, dafür aber über einen britischen Humor verfügt, begann seine Karriere 1985 beim Chemie-Riesen und machte schnell Karriere. 1992 allerdings ließ der Konzern Bock zum Stuttgarter Familienkonzern Robert Bosch ziehen, was intern schnell als Fehlentscheidung angesehen wurde. Weil er sich auch bei Bosch recht schnell einen Namen als erfahrener Finanzmann machte, holte BASF Bock 1998 zurück und machten ihn zum Finanzchef der US-Tochter.

Anders als Bock gilt Brudermüller als „der Mann für die Mitarbeiter, der zwar die Ärmel hochkrempeln kann, aber letztlich ein sehr guter Vermittler zwischen Belegschaft und Vorstandsinteressen sein wird“, wie es ein Betriebsrat umschrieb. Damit bleibt der Konzern bei der traditionsreichen Aufteilung treu, die schon unter der Amtszeit Hambrecht galt. Vize-Chef war bis vor zwei Jahren der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende Eggert Voscherau, ein Bruder des früheren Hamburger Bürgermeisters Henning Voscherau (SPD).

BASF ist mit fast 51 Mrd. Euro größter Chemiekonzern der Welt. In der Amtszeit von Hambrecht hat sich der Industrie-Riese von einem Hersteller von Massenchemikalien immer mehr in das Segment der Spezialchemie entwickelt, das sich durch deutlich höhere Renditen auszeichnet. Der Konzern übernahm daher die Bauchemie der früheren Degussa, kaufte in den USA einen Spezialanbieter von Katalysatoren und in der Schweiz zuletzt den Konkurrenten Ciba. Derzeit buhlt BASF um den Monheimer Spezialchemie-Konzern Cognis. Experten schätzen, dass der Konzern den Zuschlag erhält – allerdings für einen überteuerten Kaufpreis.