Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat dem angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor bestätigt, dass das Unternehmen zu retten ist. „Nach unserer Auffassung ist das uns vorgelegte Konzept schlüssig und nachvollziehbar. Das Unternehmen ist unter dem im Konzept genanten Bedingungen sanierungsfähig“, heißt es in dem Gutachten.
Die kreditgebenden Banken hatten die Untersuchung in Auftrag gegebenen. Mit dem Gutachten sollte überprüft werden, ob das von der Beratungsgesellschaft Roland Berger ausgearbeitete und von Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick bereits vorgestellte Sanierungskonzept des Konzerns Erfolg versprechend ist.
Als Voraussetzung für eine dauerhafte Sanierung nennt KPMG, dass das Unternehmen wie angekündigt die anstehende Finanzierung von 1,86 Milliarden Euro sicherstellt. Darüber verhandelt Eick seit Wochen mit den Banken.
Unabdingbar seien zudem „Beiträge Dritter“, also vor allem der Verzicht von Lieferanten oder Vermietern auf Teile von Zahlungen, die ihnen eigentlich zustehen. Auch Projekte wie der Verkauf der drei Premium-Warenhäuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger innerhalb von drei Jahren seien notwendig, um die „Nachhaltigkeit des Erfolges zu sichern“, schreiben die Wirtschaftsprüfer.
Arcandor hat nach Angaben eines Sprechers jetzt zusätzlich Rettungsbehilfe beim Bund beantragt. „Wir werden die von der Politik ausgestreckte Hand in Sachen Rettungsbeihilfe nicht ausschlagen“, hieß es bei Arcandor. Mit diesem Instrument soll das Unternehmen kurzfristig über Wasser gehalten werden, höchstens aber sechs Monate. Es kann die Hilfen in dieser Frist entweder zurückzahlen oder einen Umstrukturierungs- oder Liquidationsplan vorlegen.
Unabhängig davon sollen die Bemühungen um eine Staatsbürgschaft von 650 Millionen Euro weitergehen, obwohl die EU-Kommission bereits ihr Veto angekündigt hatte. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte die Rettungsbeihilfe vorgeschlagen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht zudem die Eigentümer und Gläubiger in der Pflicht. Sie glaube, dass diese noch „einen erheblichen Beitrag leisten müssen“. Arcandor hat rund 80.000 Mitarbeiter, davon 50.000 in Deutschland.
Unabhängig davon gehen die Bemühungen um die Bildung einer Deutschen Warenhaus AG weiter. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick und Metro-Boss Eckhard Cordes wollen sich ein zweites Mal treffen, um über die Zusammenlegung ihrer Warenhausketten Karstadt und Kaufhof zu sprechen.
Metro-Finanzchef Thomas Unger hatte erklärt, Metro wolle 60 der 90 Karstadt-Häuser weiter betreiben und damit den Großteil der Jobs retten. Guttenberg hatte das einen „interessanten Weg“ genannt. Der Gesamtbetriebsratschef von Karstadt, Hellmut Patzelt, ist allerdings skeptisch. Er hält das Job-Versprechen derzeit für „schwer überprüfbar“.












