Unmittelbar vor dem ersten Gespräch beim Bürgschaftsausschuss des Bundes hat Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick den Druck auf die Politik erhöht. Eick sagte, dass wesentliche Geschäftspartner bereit seien, die Rettung des Konzerns finanziell zu unterstützen. „Unsere Großaktionäre werden eine Kapitalerhöhung über 100 Millionen Euro zeichnen“, sagte Eick der „Wirtschaftswoche“.

Neben der Bank Sal. Oppenheim und Madeleine Schickedanz wird aber wohl noch ein Dritter in die neuen Aktien investieren. Eick sagte, die italienische Mediobanca werde sich mit 40 Millionen Euro beteiligen.

Das staatsnahe Geldinstitut gehört zum Einflussbereich des umstrittenen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Diese Kapitalerhöhung wäre bereits die dritte derartige Finanzspritze seit Ende 2004, als die Eigentümer gleich eine halbe Milliarde Euro nachlegen mussten. Die jüngste Kapitalerhöhung erfolgte im Herbst vergangenen Jahres.

Eick sagte weiter, Lieferanten, Zulieferer und vor allem die Vermieter hätten signalisiert, auf 250 Millionen Euro verzichten zu wollen. Voraussetzung für all das sei jedoch die staatliche Bürgschaft, so Eick. Und die versuchte er am Donnerstagnachmittag mit seinem Vorstandsteam den Mitgliedern des Bürgschaftsausschusses schmackhaft zu machen. Eick will eine Garantie von 650 Millionen Euro und einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW über 200 Millionen Euro. Sollte sich der Ausschuss verweigern, droht nach Eicks Aussage die Insolvenz. Die würden den Staat und die Sozialkassen eine Milliarde Euro und zahlreiche der 56.000 Stellen in Deutschland kosten, drohte der Arcandor-Chef.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte aber schon vor dem ersten Gespräch im Bürgschaftsausschuss gesagt, das wegen des Umfangs der geforderten Hilfe eine schnelle Entscheidung nicht zu erwarten sei. Eick dagegen läuft die Zeit davon – am 12.Juni droht die Finanzierung des Konzerns zusammenzubrechen. Dann laufen Kreditlinien über 650 Millionen Euro aus. Im September folgen weitere 250 Millionen Euro. Ohne Bürgschaften dürften die Hauptkreditgeber BayernLB, Commerzbank und Royal Bank of Scotland kaum bereit sein, die Finanzierung zu verlängern.

Nach den Förderrichtlinien des Bundes können nur solche Unternehmen unterstützt werden, denen es bis zum 1.Juli 2008 gut ging und die danach von der Finanzkrise erwischt wurden. Arcandor allerdings steckt seit 2004 in der Krise. Das Unternehmen argumentiert jedoch, dass sein aktuelles Hauptproblem – also die Schwierigkeit bei der Verlängerung der 900 Millionen Euro Kredite in diesem Jahr – vor allem aus der weltweiten Finanzkrise herrührt. Damit sei der Konzern förderwürdig, heißt es in Essen. Eick will seinen Konzern weiterhin in der bisherigen Struktur sanieren, statt die schwer angeschlagenen Karstadt-Häuser in eine „Deutsche Warenhaus AG“ mit dem Konkurrenten Kaufhof zu geben.

Eick hatte behauptet, Kaufhof wolle sich auf Kosten von Karstadt sanieren. Die Antwort von Kaufhof war eindeutig: „Das Ergebnis (Ebit) von Karstadt hat sich von 2006 bis 2008 auf Minus 272 Millionen Euro um mehr als das 20-fache verschlechtert. Im selben Zeitraum wuchs das Ergebnis von Kaufhof um rund 40 Prozent auf 113,4 Millionen Euro. Offenbar wurden in der Wahrnehmung von Arcandor Minus- und Plus-Zahlen verwechselt.“

Mitarbeit: Birger Nicolai