Drei Warenhäuser betreibt das Essener Unternehmen bislang in der Hauptstadt. Die Geschäfte in Tegel, Moabit und Schöneberg werden nach dem von der Gläubigerversammlung des Unternehmens besiegelten Aus für die bundesweit 54 Filialen schließen müssen.
Die CDU in Moabit forderte Bezirk und Senat auf, schnell Alternativen zu entwickeln. Der Stadtteil brauche attraktive Einkaufsmöglichkeiten für eine Wiederbelebung der Turmstraße, gerade wenn Hertie dort schließe. Ein seit langem vorliegendes Konzept für ein Einkaufszentrum in der Stromstraße dürfe nicht weiter blockiert werden, forderte der CDU-Politiker Volker Liepelt am Donnerstag.
Nach zehn Monaten endete der Kampf um die Rettung der insolventen Essener Warenhauskette Hertie mit einem Schock für die rund 2600 Mitarbeiter. „Manche der Kollegen sind zusammengebrochen und haben geweint“, sagt Bern Horn, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende.
Denn die Gläubigerversammlung des Unternehmens hat das Aus für die bundesweit 54 Filialen beschlossen. Bei einem Altersdurchschnitt von Mitte vierzig in der Belegschaft habe vermutlich kaum einer der Kollegen noch eine realistische Chance auf einen neuen Arbeitsplatz, sagt Horn.
Nach der Anmeldung der Insolvenz vor zehn Monaten im Sommer 2008 hatten die Chancen für die aus ehemaligen Warenhäusern des Arcandor-Konzerns gebildete Warenhauskette zunächst nicht schlecht gestanden. Insgesamt 19 besonders unrentable Warenhäuser wurden nach einer Prüfung im Frühjahr 2009 von dem Insolvenzverwalter geschlossen.
Für eine Übernahme der verbliebenen 54 Warenhäuser meldeten verschiedene Investoren Interesse an. Dabei schien es auch kein Hinderungsgrund zu sein, dass Hertie im vergangenen Geschäftsjahr 2007/2008 einen Verlust in Rekordhöhe von mehr als einem Drittel des Umsatzes von 441,3 Millionen Euro erzielt hatte.
Die Verhandlungen über eine Lösung konzentrierten sich schließlich auf eine Gruppe von Handelsfachleuten. Sie hatten angekündigt, mit Millionen-Euro-Investitionen die 54 Standorte und 2600 Arbeitsplätze erhalten zu wollen.
Mit einem neuen Konzept wollte die Warenhauskette künftig zwischen Discountern und Luxuswarenhäusern auf die soziale Mitte der Käuferschicht zielen. Ohne außerordentliche Belastungen etwa aus Schließungen und bei einer Senkung der Miete habe Hertie durchaus die Chance, in die Gewinnzone zurückzukehren, hieß es.
Die Verhandlungen scheiterten jedoch an der Frage langfristiger Mietverträge, auf die sich die britischen Eigentümer nicht einlassen wollten. Das Motiv dahinter blieb unklar. Während der Anwalt der britischen Eigentümer, Detlev Stoecker, in einer auf der Gläubigerversammlung in Essen kontrovers geführten Diskussion auf die angeblich mangelnde Zahlungsfähigkeit der angetretenen Investoren hinwies, vermuten Insolvenzverwalter Bähr und Betriebsrat Horn ganz andere Hintergründe.
Man sei von Seiten der Eigentümer nur daran interessiert, Hertie leer zu bekommen, um die Immobilien anschließend besser vermarkten zu können, sagte Bähr. „Denen geht es nur ums Geld“, schließt sich Horn an.
Ob die Rechnung der britischen Investoren schließlich aufgeht, ist in den Augen von Bähr höchst zweifelhaft. Allein durch den nun bevorstehenden Leerstand würden die Immobilien rund 35 Millionen Euro ihres derzeitigen Werts von rund 185 Millionen Euro verlieren, rechnet Bähr vor. Der Kaufpreis der Immobilien habe dagegen im Jahr 2005 bei rund 285 Millionen Euro gelegen.
Finanziert worden sei damals von den Banken sogar ein Betrag von 330 Millionen Euro, sagte Bähr. „Dass das nicht gesund ist, weiß meine Großmutter“, so der Insolvenzverwalter. Die britischen Investoren von MABV kündigten unterdessen an, für die betroffenen Warenhäuser neue Interessenten finden zu wollen. Für die große Mehrzahl der Hertie-Mitarbeiter dürfte dort jedoch künftig kein Platz mehr sein.
dpa





