Geldanlagen

Familien führen Firmen längerfristig orientiert

Unter Börsianer tobt ein Familienstreit. Es geht nicht um Kindergeld oder Vätermonate, sondern um die Frage, ob inhabergeführte Firmen für Anleger höhere Renditen abwerfen. Grund ist der derzeit schwache Stand des Index für Familienbetriebe, der deutlich mehr verloren hat als der Dax. Langfristig könnte sich das als Stärke erweisen.

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Die milliardenschwere Übernahmeofferte der Schaeffler-Gruppe für den Dax-Konzern Continental gilt als Beleg für die Stärke der Familienbetriebe, würde doch im Erfolgsfall eine wesentlich kleinere Gesellschaft den Riesen schlucken. Die Kurse der börsengelisteten Vertreter sprechen momentan allerdings eine andere Sprache. Der Index für Familienbetriebe Gex liegt in diesem Jahr 25 Prozent im Minus und damit mehr als fünf Prozentpunkte hinter dem Dax.

„Familienunternehmen agieren vor allem in den Sektoren Bau, Industrie, Handel, Konsum und damit in jenen Branchen, die zuletzt an der Börse besonders schwächelten“, sagt Friedrich Diehl, Fondsmanager bei Frankfurt Trust, der mit dem FT Unternehmerwerte in inhabergeführte Firmen investiert. Er sieht in der aktuellen Schwäche nur eine kurzfristige Delle. Langfristig sollten die Betriebe wieder besser laufen. „Untersuchungen zeigen, dass Familienunternehmen in konjunkturell schwächeren Zeiten so gut wie der Markt abschneiden, bei wirtschaftlicher Prosperität jedoch deutlich schneller wachsen.“


Nicht nur Diehl schätzt die besondere Kultur dieser Art von Unternehmen. Dazu gehört, dass Eigentümer in der Regel langfristiger denken als angestellte Manager. Sie denken nicht von Quartal zu Quartal, sondern wollen über Jahre hinweg den Wert steigern. Auch haben sie eher den Familienwohlstand als die eigene Gehaltsmaximierung im Blick. Eigentümerunternehmen neigen nicht so oft zu Größenwahn und beschränken sich auf Kerngeschäftsfelder. Schließlich verfügen die Gründer oftmals gar nicht über das notwendige Kapital für größenwahnsinnige Unternehmungen – Schaeffler scheint hier die Ausnahme der Regel. Auch das Management steht unter einer strengeren Kontrolle als bei Publikumsgesellschaften mit breit gestreutem Aktionärsbesitz. So kann sofort auf Fehlentwicklungen reagiert werden, während die Entscheidungswege sonst oftmals lang sind.

Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment sieht durchaus die Vorteile, aber warnt vor einer pauschalen Bevorzugung von Familienunternehmen. „Wichtig für uns ist, wie nah die Familie wirklich am Management ist“, sagt der Profi. Dahinter steckt eine durchaus eigennützige Überlegung. „Eine Familie, die sich wirklich Gedanken um das Unternehmen macht, sollte die gleichen Interessen wie institutionelle Investoren haben“, sagt Speich. Wer sich dagegen nicht um das Geschäft kümmere, zögere möglicherweise überfällige Wechsel im Vorstand unnötig heraus. Oder er trennt sich plötzlich von seinen Papieren, was den Aktienkurs gewaltig unter Druck bringen kann.



So führen Kritiker ausgerechnet den Automobilbauer BMW als Negativbeispiel an. Zu lange habe die Quandt-Familie die Profitabilität schleifen lassen und zugeschaut, wie das Management zwar immer mehr Autos verkauft, aber den Gewinn nicht entsprechend steigert. Lange untätig waren auch die Inhaberfamilien des Einzelhändlers Metro. Erst in jüngster Zeit greifen sie durch und trimmen das Unternehmen auf Rendite.

Internationale Studien belegen indes die langfristige Überlegenheit. Laut Morgan Stanley konnten Anleger mit Unternehmen, die sich zu mindestens einem Viertel in den Händen von Großaktionären befinden, seit 2002 Jahr für Jahr acht Prozent mehr verdienen.

Sparer können an den Familienwerten mit verschiedenen Produkten partizipieren. Auf den deutschen Index Gex gibt es zwei unbegrenzt laufende Indexzertifikate. Wer nicht auf Deutschland beschränkt bleiben möchte, kann auf vier Fonds zurückgreifen. Hauck-&-Aufhäuser-Fondsmanager Volker Riehm setzt nur auf solche Unternehmen, bei denen Familien über den Aufsichtsrat oder das Management einen prägenden Einfluss auf das Unternehmen ausüben.