Überhöhte Preise

Vattenfall hält an Berliner Gasag fest

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Jens Kohrs

Foto: ddp

Der schwedische Konzern Vattenfall und Partner E.on haben den Verkauf ihrer Anteile an der Berliner Gasag abgeblasen. Die Angebote der Bieter seien zu niedrig gewesen, hieß es. Auch der Senat hatte vergangenes Jahr überlegt, Anteile zu kaufen.

Aus dem Verkauf des Berliner Gasversorgers Gasag wird vorerst nichts. Die Energiekonzerne E.on und Vattenfall haben das Verkaufsangebot für ihre Anteile zurückgezogen: „Der gemeinsame Verkaufsprozess ist beendet“, sagte Vattenfall-Sprecher Hannes Hönemann Morgenpost Online. Es sei kein Interessent gefunden worden, dessen Gebot den gemeinsamen Vorstellungen entsprochen habe, sagte Hönemann.

Seinen Angaben zufolge werde Vattenfall seinen Anteil von rund 32 Prozent vorerst behalten, und es werde von Seiten des Konzerns zunächst auch kein neues Verfahren angeschoben. Ein E.on-Sprecher sagte gegenüber Morgenpost Online, das Unternehmen kommentiere den Stand der Verhandlungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht. Auch ein Gasag-Sprecher wollte sich nicht äußern.

Vattenfall-Sprecher Hönemann verwies als Erklärung für das Scheitern des Verkaufs auf die Finanzkrise, die vielen Unternehmen Kreditaufnahmen für Übernahmen erschwere. Berichten zufolge sollten für Vattenfalls Anteil und die rund 37 Prozent von E.on rund 800 Millionen Euro erzielt werden. Nach Informationen aus Finanzkreisen hatte der letzte Interessent, der Stadtwerkeverbund Thüga, Ende April allerdings deutlich weniger geboten. Dabei wären E.on und Vattenfall sogar mit 700 Millionen Euro zufrieden gewesen, wie die „Berliner Zeitung berichtete. Die Thüga, die einem Verbund von Stadtwerken und Regionalversorgern gehört, ist Deutschlands fünftgrößter Energiekonzern. Offen blieb zunächst, ob Vattenfall an den bisherigen Absichten zum Verkauf weiterer Beteiligungen festhält. Bis Ende des Jahres wollte sich der Konzern von seinen Anteilen an den Kasseler Stadtwerken, der sächsischen Enso sowie einem Rostocker Kraftwerk trennen.

An der Berliner Gasag, die Europas größter regionaler Gasversorger ist, halten Vattenfall und E.on zusammen die Mehrheit. E.on besitzt über seine Tochter E.on Ruhrgas 36,9 Prozent der Anteile, Vattenfall kontrolliert bislang 31,6 Prozent. Das restliche Drittel besitzt der französische Energieriese Gaz de France (GDF), der auch an einer Übernahme der Gasag-Mehrheit interessiert war.

Allerdings hatten die Franzosen nach Angaben aus Verhandlungskreisen nur für den E.on-Anteil geboten. Daran, die E.on- und Vattenfall-Anteile im Paket zu übernehmen, hatte das Unternehmen offenbar kein Interesse. Theoretisch könnte E.on seinen Gasag-Anteil allein verkaufen und der GDF damit eine Mehrheit bei der Gasag verschaffen. Bei E.on war jedoch angedeutet worden, man habe keinen Druck beim Verkauf. Zudem gibt es im Berliner Senat starke Vorbehalte gegen eine GDF-Mehrheit bei der Gasag.

Der Versorger beliefert in Berlin und Umgebung etwa 650.000 Kunden mit Gas und baut derzeit ein deutschlandweites Geschäft auf. Das Unternehmen ist Deutschlands ältester und Europas größter kommunaler Gasversorger. Im vergangenen Jahr machte die Gasag einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro und einen Betriebsgewinn von knapp 190 Millionen Euro.

Die Gasag hatte die Verkaufsabsichten nach Bekanntwerden Mitte vergangenen Jahres ohne Aufregung kommentiert. Vattenfall habe schon vor einiger Zeit angekündigt, seine Stadtwerke-Beteiligungen zu überprüfen, hatte ein Sprecher erklärt. Näher wollte sich der Gasversorger zur Unternehmensstrategie seiner Anteilseigner aber schon damals nicht äußern.

Ein Sprecher von Vattenfall hatte im vergangenen Jahr erklärt, Minderheitenbeteiligungen gehörten nicht zum Kerngeschäft des Energiekonzerns. Allerdings stehe nicht nur der für die Gasag-Anteile erzielbare Preis im Vordergrund. Vattenfall stehe zu seinem Bekenntnis zum Klimaschutz und werde der Verantwortung den Berlinern gegenüber auch künftig gerecht werden. Nachdem bei E.on und Vattenfall offen über einen möglichen Verkauf berichtet worden war, war auch innerhalb des Berliner Senats überlegt worden, wieder ins Gasgeschäft einzusteigen.

mit rtr/AFP