Ab 22. Februar (Montag) wird bei Deutschlands größter Fluggesellschaft gestreikt, Hunderttausende Passagiere sind betroffen, schließlich führt die Lufthansa regulär rund 1800 Flüge pro Tag durch. Die Airline reagiert mit einem Notfallplan, legt Flüge zusammen, setzt wo immer möglich größere Maschinen ein und lässt Management-Piloten ins Cockpit. Trotzdem ist mit zahlreichen Flug-Annullierungen und Verspätungen zu rechnen, zumal neben schätzungsweise 4000 Lufthansa-Piloten auch die der Tochtergesellschaft Germanwings am Boden bleiben. Zehn Ratschläge für Streikopfer.
1. Wo informiere ich mich?
Auf der Internetseite www.lufthansa.com gibt es aktuelle Informationen zur Streiksituationen, außerdem sollen dort gestrichene Flüge aufgelistet werden. Für Passagiere mit Fragen zu Umbuchungen und Stornierungen hat die Lufthansa die kostenfreie Telefonnummer 0800/850 60 70 geschaltet.
2. Wie komme ich trotz Streik an mein Ziel?
Eine streikende Airline muss ihre Passagiere kostenlos umbuchen, unabhängig von ihrer Buchungsklasse. Und sie muss auch auf Flugzeuge der Konkurrenz umbuchen, sofern dort Plätze frei sind. Umbuchungen müssen über die Lufthansa erfolgen, entweder direkt am Schalter oder über die Umbuchungshotline; Online-Umbuchungen sind nicht möglich. Wer sein Ticket im Reisebüro gekauft hat, kann auch dort umbuchen.
3. Kann ich den Zug benutzen?
Innerdeutsch reisende Fluggäste können Züge der Deutschen Bahn benutzen, wenn ihr Flug gestrichen wurde. Dafür muss allerdings das elektronische Ticket (Etix) an einem Lufthansa-Check-in-Automaten in einen Reisegutschein umgewandelt werden. Alternativ können Kunden auch eigenständig ein Bahnticket für die Strecke kaufen, für die ihr Flugticket gültig war. Das Bahnticket kann dann mit dem Flugticket zur Erstattung bei Lufthansa eingereicht werden. Economy-Passagiere müssen laut einer Lufthansa-Sprecherin die Zweite Klasse benutzen, Business-Passagieren und Statuskunden werden auch die Kosten für Erste-Klasse-Zugtickets erstattet. Ist das Flugticket teurer als das Bahnbillet, erstattet die Lufthansa die Differenz, beispielsweise am Flughafen-Schalter oder in einem Lufthansa-Service-Center.
4. Was ist, wenn ich im Ausland festsitze?
Für solche Passagiere gelten gemäß der EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004 die gleichen Rechte wie im Inland, sagt Ronald Schmid, Professor für Luftverkehrsrecht an den Technischen Universitäten Dresden und Darmstadt. Wenn Passagiere zum Beispiel in den Vereinigten Staaten festsitzen, weil ein Rückflug nach Deutschland bestreikt wird, muss die Lufthansa vor Ort eine andere Beförderung nach Europa organisieren und gegebenenfalls auch für kostenlose Hotelzimmer sorgen.
5. Werden nicht genutzte Tickets erstattet?
Ja. Wenn keine Ersatzbeförderung organisiert werden kann oder wenn aufgrund der Annullierung eines Fluges der Zweck der Reise entfällt, können Passagiere ihre Tickets kostenlos stornieren, der Ticketpreis wird also voll erstattet – laut Lufthansa auch dann, wenn das Flug8ticket laut Tarif eigentlich nicht stornierbar war.
6. Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?
Das ist strittig. Die Lufthansa steht auf dem Standpunkt, der Streik sei höhere Gewalt – damit gebe es für eine Entschädigung keine Rechtsgrundlage. Luftverkehrsrechtler Schmid sieht das anders, weil der Streik vom eigenen Personal der Lufthansa ausgeht. Deshalb könnten Passagiere nach der EU-Verordnung 261/2004 bei annullierten Flügen zusätzlich eine Entschädigung verlangen, die je nach Flugstrecke zwischen 250 und 600 Euro beträgt. Eine höchstrichterliche Entscheidung dazu gibt es allerdings nicht, im Zweifelsfall müssen Passagiere also vor Gericht ziehen.
7. Ich bin Statuskunde, bringt mir das etwas?
Für Vielflieger mit Elite-Status (Frequent Flyer, Senator, HON-Circle) gibt es spezielle Telefonnummern, die weniger überlastet sind als die offizielle Streik-Hotline. Am Flughafen sollten Statuskunden schnurstracks eine Lufthansa-Lounge ansteuern – dort kann man sie ebenfalls umbuchen, aber deutlich schneller als an den überfüllten Check-in-Schaltern.
8. Muss ich überhaupt zum Flughafen fahren?
Im Zweifelsfall ja, denn Lufthansa wird alles tun, um so viele Flüge wie möglich starten zu lassen. Wer früh kommt, steht vorne in der Warteschlange und hat bei überbuchten Flügen bessere Karten als spät eintreffende Fluggäste.
9. An wem lasse ich meine Wut aus?
Nicht am Bodenpersonal! Schließlich streiken die Piloten und nicht die Bediensteten am Check-in-Schalter. Bei denen erreichen Sie mehr, wenn Sie freundlich sind.
10. Schreibt die Lufthansa Vielfliegermeilen gut?
Wenn Sie Miles-&-More-Mitglied sind, aber auf die Konkurrenz umgebucht werden oder mit der Bahn fahren, schreibt Lufthansa offiziell keine Bonusmeilen gut. Das sollte Sie aber nicht davon abhalten zu versuchen, eine nachträgliche Meilengutschrift aus Kulanzgründen herauszuschlagen.
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