Nach Dubai nun auch Miami und Mombasa: Einen Tag vor dem Richtfest für den neuen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld hat Air Berlin am Donnerstag für Aufwind gesorgt, um das Großprojekt BBI auch zu einem Erfolg werden zu lassen. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft wird ab dem Winterflugplan 2010/11 nicht nur Dubai von Berlin-Tegel aus anfliegen, sondern mit den Zielen Mombasa/Kenia und Miami/Florida zwei weitere Langstreckenflüge anbieten.

„Damit schafft Air Berlin die Voraussetzung, dass der BBI zum Drehkreuz ausgebaut werden kann“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Das Emirat Dubai wird dreimal wöchentlich, Miami zweimal und Mombasa einmal wöchentlich angeflogen.

Air Berlin bietet dann in Berlin insgesamt neun Interkontinentalverbindungen zu folgenden Zielen an:

  • Dubai , Vereinigte Arabische Emirate: drei wöchentliche Verbindungen
  • Miami ; USA: zwei wöchentliche Verbindungen
  • Mombasa ; Kenia: eine wöchentliche Verbindung
  • Bangkok , Thailand: drei wöchentliche Verbindungen
  • Phuket , Thailand: zwei wöchentliche Verbindungen
  • Tel Aviv , Israel: dreiwöchentliche Verbindungen
  • Kairo , Ägypten: zwei wöchentliche Verbindungen
  • Punta Cana , Dominikanische Republik: eine wöchentliche Verbindung
  • Varadero , Kuba: eine wöchentliche Verbindung

Air Berlin wird ein weiteres Großraumflugzeug vom Typ Airbus A330-200 in Tegel stationieren. „Mit den drei neuen Langstrecken wird die deutsche Hauptstadt noch besser mit der Welt verbunden“, sagte Wowereit. „Das stärkt die Wirtschaft und bringt uns ein weiteres Wachstum beim Tourismus.“

120 zusätzliche Arbeitskräfte

Insbesondere die Strecke nach Dubai gilt als interessante Verbindung für Geschäftsreisende, auch wenn Air Berlin sie derzeit noch vorrangig als touristische Verbindung einstuft. Mit der Dubai-Verbindung werden aber auch zahlungskräftige Araber in Berlin einfliegen, die nicht nur hier einkaufen, sondern auch das deutsche Gesundheitssystem schätzen, sagt Flughafenchef Rainer Schwarz. Dieser Effekt sei nicht zu unterschätzen. „Wir haben ausgerechnet, dass die Stationierung einer A330 zehn Millionen Euro Kaufkraft in die Stadt bringt und 120 zusätzliche Arbeitskräfte schafft.“

Um eine Verbindung Berlin-Dubai hatte sich zuvor die arabische Fluggesellschaft Emirates vergeblich bemüht. Dubai gilt als Drehkreuz nach Asien. Im Rahmen des bilateralen Luftverkehrsabkommens zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland seien die genutzten Verkehrsrechte für arabische Fluggesellschaften ausgereizt, für deutsche Airlines gebe es dagegen Platz, verlautete aus dem Bundesverkehrsministerium. Emirates verfügt bereits über vier Rechte und fliegt in Deutschland Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg an.

Gegen eine Ausweitung der Verkehrsrechte für Emirates hat sich die deutsche Lufthansa bisher vehement gewehrt. Befürchtet wird, dass die Vereinigten Arabischen Emirate mit dem Drehkreuz in Dubai traditionelle Direktflüge zwischen Frankfurt und Asien über die Golfregion umlenken werden. Nun könnte Air Berlin zum Zubringer werden.

Um Air Berlin zur Stationierung der A330 zu bewegen, schnürten die Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) und der Hotel- und Gaststättenverband Berlin (Dehoga) ein Paket. So kann Air Berlin ein Jahr lang kostenlos eine Langstreckencrew in Berliner Hotels unterbringen.

Die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) hob den positiven Impuls der neuen Strecke für den Wirtschafts- und Flughafenstandort Berlin hervor. „Mit dieser Route rückt die Stadt näher an die interessanten Märkte im arabischen Raum und in Asien“, sagte IHK-Präsident Eric Schweitzer. Die Dubai-Verbindung sei ein wichtiger Baustein schon vor der Eröffnung des neuen Flughafens BBI. „Ich hoffe, die Dubai-Entscheidung von Air Berlin ist eine Initialzündung auch für andere Airlines.“ Künftig würden ausländische Geschäftspartner besser und schneller den Wirtschaftsstandort Berlin erreichen. Umgekehrt könnten Berliner Unternehmer unkompliziert die Boom-Regionen erreichen.

Mit den drei neuen Langstrecken hat Berlin bereits vor Eröffnung des BBI im Herbst nächsten Jahres zwölf Interkontinentalstrecken. Eine Anzahl, die Flughafenchef Rainer Schwarz bislang erst zum BBI-Start prognostiziert hatte. Nun rechnet Schwarz noch mit weiteren Interkontinentalstrecken vor Eröffnung des neuen Flughafens. Er betonte, dass man diese Entwicklung vor fünf Jahrennie für möglich gehalten hätte. Damals gab es nur drei Ferienflieger: in die Mongolei, nach Kuba und in die Dominkanische Republik.

Die Fluggesellschaft Air Berlin schafft mit ihrem Engagement nicht nur die Voraussetzungen, den BBI zur Drehscheibe zu entwickeln, sondern sichert sich bereits jetzt schon Marktanteile, um die eigene Position im Hinblick auf den BBI zu stärken. „Wir wachsen nicht erst, wenn der BBI da ist, sondern schöpfen das Potenzial jetzt aus, um mit hohem Volumen an den BBI zu gehen“, sagte Air Berlin-Chef Joachim Hunold.

Mehr als 6000 Verbindungen

Um den Umsteigeverkehr zu erhöhen und damit die eigene Drehscheibenstruktur zu verbessern, fliegt Air Berlin seit Anfang Mai in sechs Wellen mit bis zu 22 Flugzeugen verstärkt Berlin an und bietet wöchentlich mehr als 6000 Verbindungen an. „Wenn man in so eine Welle dann eine Langstrecke hineinsetzt, hat man eine gute Auslastung“, sagte Hunold. „Wir glauben an die Entwicklung dieser Stadt.“

Der Regierende Bürgermeister geht davon aus, dass mit dem Engagement von Air Berlin die Voraussetzung für den Ausbau des BBI zur Drehscheibe geschaffen wird. „Es ist uns aber auch klar, dass der BBI nicht in der Liga der beiden großen Drehscheiben Flughafen/Main und München mitspielen kann.“ Der Chef der Berliner Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, René Gurka, sagte, dass die drei neuen Langstreckenflüge dazu beitragen, dass sich Berlin zunehmend als Ost-West-Drehscheibe etabliert. Im Vergleich zu Flugreisen über andere europäische Drehkreuze bedeuteten die Nonstop-Flüge nach Dubai, Miami und Mombasa Zeiteinsparung und mehr Komfort für Geschäftsreisende und Touristen.

Burkhard Kieker, Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH, nannte allein den Werbeeffekt durch das Engagement von Air Berlin für die Hauptstadt enorm. Die Airline trage allein durch ihr Logo den Namen Berlin in alle Welt.