Genfer Autosalon

VW feiert seine neuen Autos mit neuen Partnern

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Stefan Anker und Thomas Geiger

600 geladenen Gästen präsentierte VW zum Start der Schweizer Automesse seine Marken-Neuheiten – von Audi bis Porsche. US-Popsänger Justin Timberlake entstieg dabei zwar locker-flockig dem neuen A1. Zum Star des Abends aber wurde ein Japaner: Osamu Suzuki, der neue Partner des Wolfsburger Weltkonzerns.

Höflichkeit ist wichtig im Umgang mit asiatischen Geschäftspartnern. Und so setzte Volkswagen, das seit Ende des vergangenen Jahres 19,9 Prozent am japanischen Hersteller Suzuki hält, ein ganz besonderes Zeichen beim traditionellen Konzernabend vor Beginn des Genfer Automobilsalons.

Das Signal für den Beginn des offiziellen Teils war wie so oft ein Video auf großen Bildschirmen. Doch was die 600 geladenen Gäste in der Veranstaltungshalle Espace Secheron im Film zu sehen bekamen, waren weder Modelle von VW noch von Audi oder einer anderen Konzernmarke. Suzuki Jimny, Suzuki Swift, Suzuki SX4 – wahrscheinlich kannte mancher Volkswagen-Gast diese Autos nicht einmal.

Und dann kam Osamu Suzuki, 79 Jahre alt und kreuzfidel. Er verbeugte sich, soweit es das Alter eben zuließ und bedankte sich wortreich für die große Ehre, dabei sein zu dürfen. Doch war zu viel Demut gar nicht nötig, denn Suzuki weiß genau, was er in diese scheinbar ungleiche Partnerschaft einzubringen hat, und Ferdinand Piëch, der VW-Aufsichtsratsvorsitzende, weiß es auch: „Suzuki baut Spitzentechnik zu kleinen Preisen. Und wo andere kein Geld mehr verdienen, verdient Suzuki Geld.“ Das wollen die VW-Oberen von den Japanern lernen, und der Zugang nach Indien – Suzuki ist hier Marktführer – ist noch ein schöner Extra-Bonus. Piëch frönte aber auch wieder seiner Neigung zum Werfen von Nebelkerzen, indem er auch das Motorradprogramm Suzukis als „reizvoll“ bezeichnete – will VW nun auch ins Zweiradgeschäft einsteigen? Piëch sagte dazu nichts Näheres, man erfuhr nur, dass er derzeit seine eigene Ducati nicht aus der Garage hole – die Schulter.

Generell sieht sich der VW-Konzern trotz eines Gewinneinbruchs um 80 Prozent ganz ordentlich aufgestellt. Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende, bezeichnete die Aussichten in Europa als „schwierig“, die Geschäfte in Nordamerika und Asien seien dafür „auf Wachstum programmiert“, und das nicht nur wegen des Einstiegs bei Suzuki.

Wer von heute an durch die Messehallen des Genfer Salons spaziert (fürs breite Publikum wird am Donnerstag geöffnet), sieht noch stärker als bei der Frankfurter IAA im September 2009, dass jeder Hersteller sich bemüht, Kompetenz in Sachen Elektroantrieb zu demonstrieren. Der VW-Konzern macht da keine Ausnahme. Es gibt einen Audi A8 Hybrid am Messestand, einen A1 E-tron, einen Seat Ibiza IBE, und Porsche-Chef Michael Macht rollte mit dem 918 Spyder in die Halle, einem 700 PS starken Hybrid-Renner (Rallye-Regende Walter Röhrl fuhr den Wagen elektrisch und flüsterleise wieder heraus und sah etwas missvergnügt aus dabei).

VW schließlich hat angekündigt, ab 2011 den Golf mit Elektroantrieb im Feldversuch zu testen – 500 Prototypen werden dafür gebaut, wie beim Mini E. Auch wenn VW da der Konkurrenz von BMW hinterherläuft: Der künftige Kleinstwagen Up wird 2013 als Elektromobil in Serie gehen, solche konkreten Ankündigungen gibt es von der Konkurrenz noch nicht.

Trotz aller ehrgeizigen Elektro-Pläne ist VW-Chef Winterkorn auch an diesem festlichen Abend nicht von seiner nüchternen Linie abgegangen. „Das Herz der Marke schlägt in Zukunft auch elektrisch“, sagt er zwar. Fügt dann aber hinzu, dass der Produktionsanteil der elektrisch angetriebenen VW-Modelle bis 2018 bei drei Prozent liegen werde. Die Zukunft kommt eben nur ganz allmählich, in Genf geht es in Wirklichkeit mehr um die Gegenwart. VW zeigt die neue Großraumlimousine Sharan, Audi fliegt Popstar Justin Timberlake ein, um den neuen Kleinwagen A1 zu präsentieren.

Und Bugatti-Chef Franz-Josef Paefgen erzählt, dass aus der viertürigen Konzeptstudie Galibier wohl bald ein Serienmodell werden könne. Bei Kundenbefragungen sei der Wagen gut angekommen – in Los Angeles und in Dubai jedenfalls.