Der weltgrößte Rückversicherer verzeichnete für das Vorjahr ein Konzernergebnis von 1,5 Mrd. Euro. Das bedeutet zwar einen herben Einbruch im Vergleich zum Rekordjahr 2007, als das Unternehmen 3,9 Mrd. Euro verdient hatte. Der Gewinn der Erstversicherungstochter Ergo sackte von 781 Mio. auf 92 Mio. Euro ab. Angesichts der katastrophalen Entwicklung an den Kapitalmärkten und der Verluste anderer Finanzkonzerne sei das Ergebnis aber zufriedenstellend, befand Finanzvorstand Jörg Schneider wie auch mehrere Analysten.
Der Dax-Konzern schüttet trotz des Gewinneinbruchs unverändert 5,50 Euro je Aktie als Dividende aus – insgesamt 1,1 Mrd. Euro. Das Unternehmen sei ausreichend mit Kapital ausgestattet und habe sogar weiter Spielraum für Aktienrückkäufe, sagte Schneider. Allerdings ist das Eigenkapital des Versicherers binnen eines Jahres von 25,5 Mrd. auf 21,3 Mrd. Euro geschrumpft.
Hohe Belastungen durch die Turbulenzen an den Aktienmärkten erwartet Schneider nicht mehr. Für 2009 wollte er keine Prognose abgeben, erklärte aber, er sei verhalten optimistisch. „Wir gehen nicht mit Altlasten in das Jahr.“ Weniger als vier Prozent der Kapitalanlagen von 175 Mrd. Euro seien noch in Aktien angelegt, nach Abzug von Absicherungsgeschäften seien es sogar weniger als zwei Prozent.
Solche Absicherungen haben die Münchener Rück bereits im Vorjahr vor Schlimmerem bewahrt: Sie begrenzten die Verluste aus den Aktieninvestments im Gesamtjahr 2008 auf nur 200 Mio. Euro. Allerdings räumte Schneider ein, dass gerade die Kursschwankungen bei Staatsanleihen den Versicherer noch treffen könnten. Vorsorglich habe man im vierten Quartal bereits 400 Mio. Euro auf festverzinsliche Wertpapiere abgeschrieben. Das Quartalsergebnis schrumpfte dadurch auf 100 Mio. Euro und verfehlte die Erwartungen der Analysten. Die Aktie der Münchener Rück war eine der wenigen Verlierer im Dax.
Skeptisch reagierten Analysten auf die Geschäftsentwicklung in der Rückversicherung. In der Vertrags-Erneuerungsrunde zum 1. Januar, in der rund zwei Drittel des Geschäfts mit Schaden- und Unfallversicherung zur Verlängerung anstanden, schrumpften die Prämieneinnahmen um drei Prozent auf rund acht Mrd. Euro. Schon seit Jahren fährt das Unternehmen hier einen Schrumpfkurs, den Rückversicherungsvorstand Torsten Jeworrek stets mit unbefriedigenden Preisen am Markt begründet hatte. Nun stiegen die Preise erstmals wieder, und zwar um 2,6 Prozent, weil vor allem für die Absicherung gegen Naturkatastrophen in Nordamerika mehr bezahlt wurde.
Dennoch versicherte die Münchener Rück mehr als fünf Prozent weniger an Werten als vor einem Jahr. „Wir sind vielleicht etwas renditebewusster als andere und setzen nicht auf Wachstum um jeden Preis“, sagte Schneider. Im Jahr 2007 hatte die Münchener Rück ein Wachstumsprogramm namens „Changing Gear“ aufgesetzt und arbeitet an neuen Geschäftsideen, um abseits der umkämpften Pfade zuzulegen.
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