Das Thema Atomenergie sorgte schon immer für reichlich Gesprächsstoff. Doch so positiv wie derzeit war die Stimmung noch nie. Laut einer Umfrage der Europäischen Kommission befürworten heute 44 Prozent der knapp 27.000 befragten EU-Bürger die Nutzung der Kernkraft – sieben Prozentpunkte mehr als bei der letzten Erhebung im Jahr 2005. Selbst hierzulande mehren sich die Stimmen, die sich für eine Verlängerung der Reaktorlaufzeiten aussprechen.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) beziffert die Anzahl der derzeit am Netz hängenden Nuklearreaktoren auf weltweit 439. Während sich 93 Atommeiler in der Planungsphase befinden, sind weitere 34 im Bau. Allein in China sollen in den kommenden zehn Jahren 35 neue Kraftwerke in Betrieb gehen, Indien will bis 2020 rund 40 Milliarden Dollar in den Bau neuer Kernkraftwerke investieren.
Rohstoff-Experten sind sich daher einig: Die Uran-Nachfrage steigt, und dürfte den Preis des Spaltmaterials beflügeln. Die Investmentbank Goldman Sachs und der Bergbaukonzern Rio Tinto gehen davon aus, dass der Uranpreis auf 90 Dollar je Pound (454 Gramm) steigen wird. Das wären 50 Prozent mehr als derzeit – aber immer noch deutlich weniger als der Rekordpreis von 140 Dollar, der im Sommer 2007 erreicht wurde.
Der deutliche Preiseinbruch in den vergangenen zwölf Monaten hat mehrere Gründe: "Der Markt war heißgelaufen. Spekulanten haben Gewinne mitgenommen, nachdem der Uranpreis in den drei Jahren zuvor um mehr als das Siebenfache gestiegen war", erklärt Commerzbank-Rohstoff-Analyst Eugen Weinberg. Gleichzeitig trennten sich die Regierungen der USA und Nigers von einem großen Teil ihrer Uranreserven, wodurch das Angebot kurzfristig deutlich zunahm.
Doch inzwischen spricht wieder vieles für langfristig steigende Notierungen. Analysten heben dabei vor allem die immer größer werdende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage hervor. Das australische Investmenthaus Macquarie sagt bis 2020 eine Steigerung der Urannachfrage um 55 Prozent voraus. Schon jetzt übersteigt der jährliche Uranbedarf mit 65.000 Tonnen bei Weitem die Produktion: Die Bergbaugesellschaften dürften in diesem Jahr nur rund 45.000 Tonnen pro Jahr aus dem Boden holen.
Anleger, die mit Einzelaktien vom Nachholpotenzial des Uranpreises profitieren wollen, kommen um die kanadische Camceo kaum herum. Analysten rechnen in diesem Jahr beim mit einem Fünftel der Weltproduktion größten Uranförderer mit einer Gewinn- und Umsatzsteigerung von 50 Prozent in nur zwei Jahren. Die UBS stufte ihre Einschätzung Mitte Juni von "Neutral" auf "Kaufen" hoch. Zuletzt deklarierte das kanadische Analysehaus Salman Partners das Cameco-Papier als "Top Pick".
Aktien der Uran-Förderer gelten vielen Experten als aussichtsreich
Als sehr aussichtsreich erscheint vielen Experten auch die Aktie von Paladin Energy, deren Hauptprojekte in Namibia liegen. Die Australier produzierten dort allein im März 222.000 Pound Uranoxid und peilen für 2009 eine Gesamtproduktion von 4,7 Millionen Pound an. In den vergangenen Wochen hagelte es reihenweise Kaufempfehlungen für den Wert. Merrill Lynch hat beispielsweise ein Kursziel von 7,65 Australischen Dollar ausgegeben. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von gut 20 Prozent. Ebenfalls auf dem fünften Kontinent beheimatet ist Energy Resources of Australia. Die Gesellschaft ist für elf Prozent der weltweiten Uranproduktion verantwortlich und steigerte den Nettogewinn im vergangenen Jahr um 75 Prozent.
Breit gestreut und mit entsprechend weniger Risiko können Anleger über Zertifikate vom Comeback der Kernkraft profitieren. Zum Beispiel mit dem S-BOX Nuclear Power Index-Zertifikat der Deutschen Bank. Dessen Aktienkorb wird halbjährlich überprüft und vereint 20 Firmen der Nuklearbranche, die die gesamte Wertschöpfungskette des Atomstroms, vom Auffinden bis zur Produktion, abdecken. Schwergewichte sind derzeit der französische Kraftwerksbetreiber Electricité de France und die amerikanische Exelon.
Die DWS schnürt aus 22 Titeln ihr Uranium-Exploration-Zertifikat. Auch hier wandern nicht die größten, sondern die nach Meinung des Anlageausschusses aussichtsreichsten Unternehmen in den Index. Schwerpunkt sind hier jedoch Gesellschaften, die sich mit dem Abbau und der Exploration, also der Erschließung von Lagerstätten, beschäftigen. Gerade deren hoher Anteil verleiht dem DWS-Produkt einen spekulativeren Charakter.
Wer die zehn gemessen am Börsenwert größten Titel aus dem Uransektor im Paket kaufen möchte, findet im Urax-Zertifikat der Société Générale das passende Instrument. Neben den klassischen Uranminen finden sich hier auch Aktien der Rohstoffriesen BHP Billiton und Rio Tinto, die das Gros ihrer Gewinne außerhalb des Uransektors verdienen. Die Dividenden fließen bei allen Aktienkörben an die Anleger, ihr Management lässt sich die Emittenten mit bis zu 1,75 Prozent pro Jahr honorieren.




