Im milliardenschweren Schadenersatzprozess des Medienmoguls Leo Kirch gegen die Deutsche Bank und ihren Ex-Chef Rolf Breuer hat das Kreditinstitut einen Punktsieg errungen. Die Vorsitzende Richterin Brigitte Pecher hat beim Auftakt des Verfahrens deutliche Zweifel daran gehegt, ob die von Kirch eigens für Schadenersatzansprüche konstruierte Firma KGL Pool seriös sei. „Wir stehen der Sache wirklich skeptisch gegenüber", sagte Pecher am Landgericht München. Sie wandte ein, dass KGL nur mit einer dünnen Kapitaldecke ausgestattet sei und daher im Falle einer Niederlage Kirchs nicht für die Prozesskosten aufkommen könnte. KGL Pool ist eine Zweckgesellschaft, in der insolvente Töchter von Kirchs früherem Medienimperium Ansprüche auf Schadenersatz gebündelt haben.

Die Anwälte Kirchs, darunter der ehemalige bayerische Minister Peter Gauweiler, wollen nun überraschend eine schriftliche Vereinbarung vorlegen, mit der Leo Kirch selbst für alle finanziellen Verbindlichkeiten der KGL Pool aufkommen würde. Sie wollen diese Vereinbarung aber nur in Auszügen der Richterin und den Vertretern der Deutschen Bank vorlegen. Deutschland größtes Geldhaus legte dagegen Einspruch ein.

In einem der größten Prozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte hat der Medienunternehmer Leo Kirch die Deutsche Bank auf Schadenersatz in Milliardenhöhe für die Pleite seiner Firmengruppe verklagt. Die Insolvenz im Jahr 2002 sei durch eine Äußerung des früheren Deutsche Bank-Chefs Rolf Breuer ausgelöst worden, argumentierten die Anwälte des 82-jährigen Kirchs in dem Verfahren vor dem Landgericht München.

Breuer hatte wenige Monate vor der Pleite in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt. Zum Auftakt der Verhandlung erklärte die Deutsche Bank aber erneut, es habe keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Breuer-Interview und der Insolvenz gegeben. Das Unternehmen sei bereits vor dem Interview im Februar 2002 überschuldet gewesen. Kirch und Breuer erschienen nicht vor Gericht und ließen sich durch Anwälte vertreten.

Kirch überzieht Breuer und die Deutsche Bank wegen der umstrittenen Äußerungen schon seit Jahren mit Klagen. In dem Prozess in München sind nun in zwei Klagen mit einem Umfang von rund 3,5 Milliarden Euro alle Ansprüche gegen die Deutsche Bank gebündelt. „Das ist das größte Verfahren“, sagte Kirchs Anwalt Wolf-Rüdiger Bub am Rande des Prozesses. Wegen der immensen Forderungshöhe gilt er als eines der spektakulärsten Wirtschaftsverfahren in Deutschland. In dem aufsehenerregenden Fall Flowtex, in dem es um Betrug mit Horizontalbohrern ging, hatten Gläubiger vor einigen Jahren 1,1 Milliarden Euro Schadenersatz gefordert.

Kirch war früher einer der mächtigsten Medienunternehmer in Deutschland, der sich aus eigener Kraft eine Firmengruppe mit zuletzt rund 10.000 Beschäftigten aufgebaut hatte. Herzstück war die KirchMedia, zu der unter anderem die Fernsehsender ProSieben, Sat.1 und N24 gehörten. Der Zusammenbruch des Konzerns gehörte zu den größten Wirtschaftspleiten in Deutschland.

Dass Kirch grundsätzlich Anspruch auf Schadenersatz von Breuer und der Deutschen Bank zusteht, hatte der Bundesgerichtshof (BGH) im Jahr 2006 bereits festgestellt. In dem aktuellen Prozess soll unter anderem geklärt werden, wie hoch der Schaden ist und ob er möglicherweise schon durch die damalige Situation des angeschlagenen Kirch-Konzerns verursacht wurde.

Reuters/dpa/nan