Eine erneute Straffung der Geldpolitik in China verdarb den Anlegern zum Wochenschluss die anfängliche Kauflaune. Die chinesische Zentralbank hatte die Anforderungen an die Mindestreserven bei Banken nochmals um 0,5 Prozentpunkte angehoben und so Befürchtungen geschürt, dass die Volksrepublik geldpolitisch schneller die Zügel anzieht als erwartet und damit den weltweiten Wachstumsmotor abwürgen könnte. Bereits vor Monatsfrist hatte die Notenbank mit einer ersten Verschärfung der Mindestreserveanforderung dafür gesorgt, dass die Banken mehr Geld bei ihr parken müssen und somit weniger in die Kreditvergabe stecken können.
Hatte am Vormittag das EU-Bekenntnis zur Unterstützung Griechenlands den Leitindex noch bis auf 5565 Zähler gehievt, gab der Dax in Reaktion auf die Meldungen aus China die Gewinne wieder vollständig ab und rutschte bis auf 5460 Punkte ab. Bis zum Handelsende erholte sich der Index aber wieder fast auf sein Vortagesniveau und schloss 0,1 Prozent leichter bei 5500 Punkten. Der MDax büßte 0,7 Prozent auf 7293 Zähler ein, während sich der TecDax um 0,1 Prozent auf 780 Punkte ermäßigte.
Die Griechenland-Probleme lasteten weiter auf dem Euro-Kurs. Die Gemeinschaftswährung fiel zeitweise auf ein Neun-Monats-Tief von 1,3533 Dollar. Nach der Veröffentlichung von schwächer als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten erholte sich der Euro wieder leicht auf 1,3618 Dollar, blieb damit aber immer noch deutlich unter dem Niveau im späten US-Handel vom Donnerstag.
Die weiter offenen Fragen rund um den griechischen Haushalt und die finanziellen Schwierigkeiten anderer Länder aus der Eurozone belasteten erneut die Bankwerte. So verloren die Titel der Deutschen Bank 1,5 Prozent, während Commerzbank-Papiere 0,5 Prozent nachgaben. Auch um Autowerte machten die Anleger einen großen Bogen, nachdem Renault die Anleger mit einem Milliardenverlust für 2009 geschockt hatte. Anteilscheine von Daimler ermäßigten sich um ein Prozent, BMW wurden 1,7 Prozent billiger gehandelt und VW Vorzüge schwächten sich um 1,9 Prozent ab.
Hingegen gehörten ThyssenKrupp zu den Favoriten, die mit einem Plus von 2,8 Prozent die Führung im Dax übernahmen. Nach drei verlustreichen Quartalen schreibt Deutschlands Branchenprimus wieder unerwartet hohe Gewinne. Das Vorsteuerergebnis legte im Zeitraum von Oktober bis Dezember auf 313 Mio. Euro zu (Vorjahresperiode: 240 Millionen Euro). ThyssenKrupp profitierte allerdings nicht nur von einer stärkeren Nachfrage und Preiserhöhungen, sondern auch von Kosteneinsparungen und dem Verkauf von Unternehmensteilen.
Im MDax brachen die Titel des Autozulieferers Leoni um 3,7 Prozent ein. Die Autokrise hat den Bordnetze- und Kabelhersteller tief in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich häufte sich ein Verlust von 138 Mio. Euro an, teilte der Konzern mit. Analysten hatten angesichts des strikten Sparkurses dagegen mit weniger gerechnet. Schwache Zahlen des französischen Konkurrenten Michelin und ein fehlender Ausblick für das laufende Jahr drückten auch die Anteilscheine von Conti 4,2 Prozent ins Minus.
Der Umsatz- und Gewinnrückgang beim Medizintechnik-Spezialisten Carl Zeiss Meditec drückte die Aktie 1,7 Prozent ins Minus. Die Zahlen hätten im Rahmen der Erwartungen gelegen, schrieb DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger. Die Amerika-Umsätze hätten ihn leicht positiv überrascht, das Europa-Geschäft dagegen enttäuscht. Er halte deshalb vorerst an seiner Verkaufsempfehlung fest. Ein Analystenkommentar schickte Q-Cells auf ein Rekordtief von 7,641 Euro. Zuletzt notierte das Papier noch sechs Prozent im Minus bei 7,95 Euro. SES hatte das Kursziel drastisch von 8,50 Euro auf 4,50 Euro gesenkt und die Verkaufsempfehlung bekräftigt.
Reuters/wej/woz




