Obwohl das Börsenjahr 2010 gerade einmal sechs Wochen alt ist, lässt sich schon jetzt erkennen, dass die Investmentstrategen mit einer ihrer vielen Prognosen für das neue Jahr richtig liegen. Nachdem es 2009 noch in fast allen Segmenten deutlich nach oben gegangen war, wird es in diesem Jahr viel mehr auf die Auswahl der richtigen Aktien ankommen. Nachhaltigen Erfolg dürften nach jetzigem Stand nur diejenigen Anleger haben, die konsequent auf das viel zitierte Stockpicking setzen und dabei den richtigen Riecher haben.
Deutlich wird dies schon beim Blick auf die Wertentwicklung der 30 Dax-Aktien. Bei denen reicht die Spanne der seit Jahresbeginn erzielten Wertentwicklung von einem kleinen Plus bei K+S und Infineon, bis zu einem signifikanten Minus von beinahe 20 Prozent bei der Deutschen Börse. Der Dax selbst hat bislang gut sieben Prozent an Wert verloren.
Auffällig ist dabei, dass mit der Allianz, der Deutschen Bank und eben dem Börsenbetreiber gleich drei Finanztitel unter den zehn schlechtesten Werten zu finden sind. Noch drastischer ist die Schwäche der Finanzbranche allerdings im Euro Stoxx 50 zu erkennen. Denn auch dort wird die Liste der schlechtesten Aktien von Bankwerten dominiert, wobei die spanischen Banken BBVA und Santander, die französischen BNP Paribas, Credit Agricole und Société Générale, sowie die italienischen Institute UniCredit und Intesa SanPaolo allesamt noch deutlich schwächer abgeschnitten haben als die hiesigen Branchengrößen. Insgesamt hat der europäische Branchenindex Euro Stoxx Banks seit Jahresbeginn mit einem Minus von rund 13 Prozent folgerichtig deutlich stärker verloren als die marktbreiten Indizes Dax und Euro Stoxx 50.
Die Gründe für die Underperformance sind nach Einschätzung von Analysten vielfältig. Zum einen verweisen sie auf Gewinnmitnahmen, nachdem die Bankaktien im Zuge der Erholungsrallye im Vorjahr zu den ganz großen Gewinnern zählten. Zum anderen mehren sich aber auch die Sorgen vor schwachen Unternehmenszahlen. Denn nach der mehr oder weniger überstandenen Finanzkrise haben viele Institute nun auch noch mit den Folgen der Rezession zu kämpfen. Zum Beispiel in Form fauler Kredite von insolventen Unternehmen und überschuldeten Privatkunden, denen aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit nicht mehr ausreichend Geld zur Tilgung zur Verfügung steht.
Außerdem führen die sukzessiv steigenden Kapitalmarktzinsen zu deutlich fallenden Kursen bei den Anleihen, die in den Portefeuilles der Banken aus Angst vor den Aktienmarktrisiken zurzeit deutlich übergewichtet sind. Und zu guter Letzt droht nach Angaben der „Platow Börse“ demnächst auch noch eine „Abschreibungsorgie bei faulen Krediten für US-Gewerbe-Immobilien“. Preisrückgänge von teilweise 50 Prozent, dramatisch gestiegene Leerstandsquoten und Kredithebel von zehn lassen dem Börsenbrief zufolge „das Schlimmste befürchten“.
Anleger, die vor diesem Hintergrund auf eine Fortsetzung der Banken-Schwäche setzen wollen, können dies zum Beispiel mit einer gehebelten Short-Spekulation auf den Euro Stoxx Bank tun. Der Index besteht aktuell aus insgesamt 38 Werten, wobei die sieben Schwergewichte Santander, BNP Paribas, BBVA, UniCredit, Deutsche Bank, Société Générale und Intesa SanPaolo zusammen auf einen Anteil von rund 75 Prozent kommen. Eine relativ große Auswahl an sogenannten Unlimited Turbo Bear Zertifikaten auf den Branchenindex bietet die Commerzbank an. Anleger können dabei zwischen Hebelkräften von moderaten 0,94 (WKN: CB173E) bis zu spekulativen 6,1 wählen (WKN: CM3DR7).
Bei den besonders stark gehebelten Scheinen muss aber beachtet werden, dass die Knock-out-Schwelle mit einem Abstand von nur elf Prozent schon relativ nahe an dem aktuellen Indexstand liegt. Hier genügt unter Umständen also bereits ein kurzer Erholungsschub um das Investment frühzeitig und mit entsprechend hohem Verlust zu beenden. Ein weiteres Entscheidungskriterium sollte der Preisunterschied zwischen Geld- und Briefkurs sein. Auch dieser wird mit höherem Hebel ungünstiger. Bei dem hebelstärksten Produkt etwa entspricht selbst der moderate Spread von einem Cent einem Preisaufschlag von drei Prozent.
Fazit: Entscheidend für den Erfolg solcher Spekulationen ist letztendlich immer das richtige Timing beim Ein- und Ausstieg. Sollte der Gesamtmarkt die Erholungsbewegung der vergangenen Tage in der kommenden Woche fortsetzen, dürften auch die Banken unter dem Strich zulegen. Für allzu spekulative Scheine kann es dann schnell sehr eng werden. Um sich vor dem Schlimmsten zu bewahren, sollten Anleger daher immer mit eigenen Stop-Loss-Marken arbeiten, bei deren Erreichen sie sich die misslungene Spekulation eingestehen und die Scheine verkaufen sollten.





