Preisabsprachen

Kraft verriet Kaffee-Kartell bei der Behörde

Der Nahrungsmittel-Konzern Kraft (Jacobs Kaffee, Café Hag) hat Konkurrenten beim Bundeskartellamt angezeigt. Daraufhin ermittelte die Behörde, bei drei Unternehmen wurden Razzien durchgeführt. Die überführten Firmen müssen Millionen-Geldbußen zahlen. Kraft jedoch profitiert von einem Bonus.

Die Preisabsprachen bei Kaffee wurden dank der Mithilfe des Nahrungsmittelriesen Kraft aufgedeckt. Das berichtete das Bundeskartellamt. Kraft, Hersteller von Jacobs Kaffee, Café Hag und Onko, entging damit einer Millionenstrafe. Der Kraft Foods Deutschland GmbH sei eine Geldbuße „gemäß (…) der Bonusregelung des Bundeskartellamts erlassen“ worden, teilte die Behörde mit.

Die Wettbewerbshüter hatten Ende 2009 Strafgelder von insgesamt knapp 160 Mio. Euro gegen die Kaffeeröster Melitta, Dallmayr und Tchibo verhängt. Ein Behördensprecher sagte, es liefen weiter Ermittlungen wegen Verdachts von Preisabsprachen unter Gastronomiezulieferern und bei Cappuccinoherstellern.

Die Kartellwächter hatten bislang nicht offengelegt, welches Unternehmen Hinweise auf Preisabsprachen bei Kaffeeröstern gegeben hatte. Fahnder des Kartellamts waren im Juli 2008 zu Razzien ausgerückt. „Grundlage der Durchsuchung war ein Bonusantrag der Kraft Foods Deutschland“, hieß es in dem nun veröffentlichten Bericht zum Kaffeekartell.

Seit mindestens Anfang 2000 unterhielten die vier Unternehmen dem Kartellamt zufolge einen „Gesprächskreis“, zu dem sich Geschäftsleiter und Vertriebsleiter zusammenfanden – um „Höhe, Umfang, Zeitpunkt der Bekanntgabe sowie das Inkrafttreten beabsichtigter Preiserhöhungen“ abzusprechen.

In einem Fall mussten die Verbraucher nach den illegalen Vereinbarungen bis zu 0,70 Euro mehr pro 500-Gramm-Packung Kaffee zahlen. Die Absprachen stellten einen „Hardcore-Kartellverstoß“ dar, bilanzierten die Kartellwächter.