Sorgen um eine Abschwächung des Wachstums in Asien setzten den deutschen Aktienmarkt am Dienstag zunächst weiter unter Druck. Der Dax sank zeitweise um ein Prozent auf 5574 Zähler, konnte aber im Handelsverlauf nach positiv aufgenommenen Geschäftszahlen aus den USA die zuvor verbuchten Verluste wieder etwas eingrenzen.
Während der zum zehnten Mal in Folge verbesserte Ifo-Geschäftsklima-Index die Anleger nicht aus der Reserve locken konnte, fand der Dax nach den jüngsten Daten zum US-Verbrauchervertrauen wieder in die Gewinnzone zurück. Das Vertrauen der Verbraucher hatte sich im Januar den dritten Monat in Folge aufgehellt.
Die anfangs trübe Stimmung unter den Anlegern erklärten Händler damit, dass die Ratingagentur Standard & Poor's den Ausblick für japanische Staatsanleihen von „Stabil“ auf „Neutral“ gesenkt hatte. Zudem will die chinesische Regierung Maßnahmen ergreifen, um das hohe Wirtschaftswachstum in dem Land zu dämpfen.
Bis zum Handelsschluss legte der Leitindex 0,7 Prozent auf 5668 Punkte zu. Der MDax der mittelgroßen Werte wies ein leichtes Plus von 0,1 Prozent auf 7557 Zähler aus. Der Technologieindex TecDax verbesserte sich dank der schwer gewichteten Solarwerte um 0,2 Prozent auf 809 Punkte.
Angesichts der Unsicherheit am Aktienmarkt waren deutsche Staatsanleihen gesucht. Der richtungweisende Bund-Future stieg zuletzt um zehn Ticks auf 123,25 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,209 Prozent. Lediglich der überraschend starke Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas hatte die Anleihen im frühen Handel unter Druck gesetzt.
Für Überraschung auf dem Parkett sorgte Siemens mit einem unerwarteten Gewinnsprung im Auftaktquartal. Die Aktien des Münchener Industriekonzerns führten den Dax mit einem Plus von 5,1 Prozent an. Analysten hoben insbesondere die Gewinnmargen in den Bereichen Industrie und Gesundheit hervor, die über den durchschnittlichen Erwartungen lagen.
Im Fokus standen auch die Papiere der Münchener Rück. Sie gewannen 1,2 Prozent, nachdem der US-Investor Warren Buffett eine Beteiligung von über drei Prozent an dem Rückversicherer gemeldet hatte. Lufthansa-Aktien profitierten von einer Hochstufung durch Morgan Stanley und verteuerten sich um 1,5 Prozent.
Die solide Ergebnisstärke des Unternehmens sei unterschätzt worden, erklärten die Experten. Ebenfalls gefragt waren Infineon, die zwei Prozent gewannen. Händler verwiesen auf Spekulationen am Markt, wonach der Halbleiterkonzern die Chips für Apples neues „iTablet“ liefert. Zudem profitierte die Aktie von den guten Quartalszahlen der US-Branchenkollegen Apple und Texas Instruments.
Schwächster Wert im Dax waren dagegen die Titel der Deutschen Börse. Sie büßten 3,3 Prozent ein, nachdem Vorstandschef Reto Francioni am Montagabend auf der Jahreseröffnung des Börsenbetreibers das Jahr 2010 als „schwierig“ bezeichnet hatte. Zu den Verlierern zählten auch die Papiere von K+S mit minus 0,9 Prozent. Hier belasteten Spekulationen um drohende Millionen-Kosten für eine Salzabwasserpipeline in die Nordsee. Hintergrund der Spekulationen ist der seit Jahren andauernde Konflikt um die Einleitung von Salzabwasser in die Werra durch den Salz- und Düngemittelhersteller.
Der mögliche Abschied der erst kürzlich aus dem Dax geflogenen VW-Stämme aus dem EuroStoxx50 drückte die Aktie um 0,4 Prozent ins Minus. Schon am kommenden Montag könnten die Papiere wegen einer zu geringen Marktkapitalisierung des Streubesitzes aus dem Index herausgenommen werden.
Eine gesenkte Gewinnprognose schickte die Aktie des Online-Spieleanbieters Tipp24 1,8 Prozent abwärts. Tipp24 begründete die Prognosesenkung damit, dass die Versicherung eine Auszahlung im Zusammenhang mit einem Jackpot-Gewinn ablehne.
wej./Reuters/dma




