Verkauf der Brauerei

Berliner Bürgerbräu war am Ende einfach zu klein

Der Berliner Biermarkt ist künftig fest in der Hand der Radeberger Gruppe: Mit dem Berliner Bürgerbräu in Friedrichshagen verliert auch die letzte eigenständige Brauerei in der Stadt ihre Unabhängigkeit. Morgenpost Online sprach mit Bürgerbräu-Chefin Tina Häring darüber, warum sie sich am Markt nicht durchsetzen konnte.

Foto: Joerg Krauthoefer

Zum 1. März 2010 gehen Markenrechte, Rezepte und Liefervereinbarungen der Brauerei Berliner Bürgerbräu an die zum Oetker-Konzern gehörenden Frankfurter. Morgenpost Online sprach mit Bürgerbräu-Geschäftsführerin Tina Häring über das Ende einer Tradition und den Aufbruch in Friedrichshagen.

Morgenpost Online: Frau Häring, vom 1. März an wird Bürgerbräu statt in Friedrichshagen nun in der Schultheiss-Brauerei in Hohenschönhausen produziert. Ist Ihnen dieser Schritt schwergefallen?

Tina Häring: Und wie. Wir waren bislang die einzige selbstständige Familienbrauerei in Berlin. Und wir haben unser Bestes gegeben, um unsere Biere zu etablieren.

Morgenpost Online: Noch 2008 haben Sie zwei neue Biersorten auf den Markt gebracht, darunter ein biozertifiziertes Bier. Seit wann haben Sie mit dem Gedanken gespielt zu verkaufen?

Häring: Das kann ich so genau nicht sagen. Wir waren einfach irgendwann zu klein. Wir hatten zu hohe Fixkosten und zu geringe Margen. Sie müssen wissen, die Bierpreise mit dem Handel werden einmal im Jahr verhandelt, und danach ist es egal, ob die Preise für Hopfen oder Malz sich von einem Jahr aufs andere verdoppeln oder auch die Ölpreise verrückt spielen – am Kistenpreis kann man dann nicht mehr rütteln. Wir mussten jetzt schauen, wie wir als kleines Unternehmen damit zurechtkommen.

Morgenpost Online: Und alleine ging das nicht mehr?

Häring: Nein, wir haben es nicht geschafft. Jedes Jahr kamen andere Probleme und Herausforderungen dazu. Wir konnten uns einfach nicht am Markt durchsetzen. Und wir mussten schauen, wie wir klarkommen. Es lag ja nicht daran, dass wir nicht eifrig waren. Wir haben fleißig gearbeitet, aber wir waren einfach zu klein, um uns am Markt zu behaupten.

Morgenpost Online: Ist der Markt zu hart umkämpft?

Häring: Wenn man sich den Biermarkt in den vergangenen Jahren anschaut, dann ist es immer schwieriger geworden zu bestehen.

Morgenpost Online: Waren Radeberger und der dahinterstehende Oetker-Konzern Ihre erste Wahl?

Häring: Ja. Wir sind ja sogar auf Radeberger zugegangen. Uns war enorm wichtig, dass es mit Berliner Bürgerbräu weitergeht. Wissen Sie, Berliner Bürgerbräu gehört nach Berlin. Wir haben hier eine Sortenvielfalt geschaffen und wollten immer, dass die weiterbesteht.

Morgenpost Online: Gab es denn viele Interessenten?

Häring: Ja, auch andere Brauereien haben Interesse gezeigt, aber dann wäre das Bürgerbräu nicht hier in Berlin geblieben.

Morgenpost Online: Mit Radeberger hat einer der ganz großen Player Ihre Familienbrauerei geschluckt. Hatten Sie keine Bedenken, Ihre Individualität zu verlieren? Immerhin gehören bereits 14 andere regionale Brauereien zu der in Frankfurt ansässigen Gruppe.

Häring: Gerade deswegen! Ich bin mir sicher, dass Radeberger Interesse an Berliner Bürgerbräu gefunden hat, weil es das regionale Sortiment abrundet. Radeberger ist sehr gut aufgestellt in den Vertriebskanälen. Wenn Radeberger etwas dem Handel gegenüber sagt, dann hat das entsprechende Kraft. Und wenn Radeberger Berliner Bürgerbräu kraftvoll am Markt etabliert, dann wird das Bier auch weiter so erfolgreich sein wie bisher. Radeberger hat da eine ganz andere Stellung als eine kleine Brauerei wie wir. Wenn Radeberger etwas sagt, dann hat das Gewicht.

Morgenpost Online: Wie muss man sich denn Verhandlungen zwischen einem Familienunternehmen wie Ihnen und einem Multikonzern wie Oetker vorstellen?

Häring: Ich muss sagen, Radeberger ist sehr fair mit uns umgegangen. Wir dürfen uns weiterhin Köpenicker Bürgerbräu nennen und dürfen auch weiterhin Bier brauen.

Morgenpost Online: Wussten Sie im Vorhinein, dass Radeberger – wie Sie sagen – fair handeln würde? Immerhin hatten Sie mit der Übernahme von Schultheiss und Berliner Pilsener Beispiele für Aufkäufe durch Radeberger.

Häring: Nein, das habe ich damals nicht so genau verfolgt. Es war ja auch immer so, dass zumindest Schultheiss immer schon eher das West-Berliner Bier war und wir das Ost-Berliner.

Morgenpost Online: Welche Pläne haben Sie mit den Rechten, die Ihnen nun bleiben?

Häring: Zuallererst müssen wir einmal die großen Kapazitäten abbauen.

Morgenpost Online: Und dann …

Häring: … werden wir uns als Bio-Brauerei neu ausrichten. Mit der neuen Marke Köpenicker Bürgerbräu. Das muss natürlich jetzt von Anfang an wirtschaftlich gestaltet werden. Wir wollen uns klein und fein mit diesem Nischenprodukt aufstellen.

Morgenpost Online: Nischenprodukt heißt, weniger Sorten, weniger Menge. Das bedeutet aber auch weniger Mitarbeiter, oder?

Häring: Ja. Das wird zunächst auch heißen, weniger Mitarbeiter. Aber auf lange Sicht werden hier mehr Leute Arbeit finden, wenn alles so läuft, wie wir es uns vorstellen.

Morgenpost Online: Was haben Sie mit dem alten Gelände am Müggelsee vor?

Häring: Wir möchten hier gerne Gewerbe ansiedeln, das zu uns passt. Was genau das sein wird, wissen wir noch nicht – wir lassen uns noch beraten. Auf jeden Fall soll alles auf unser Bio-Bier ausgerichtet sein.

Morgenpost Online: Wie wichtig war für Sie, das Brauerei-Gelände an der Müggelspree behalten zu können?

Häring: Das war uns sehr wichtig – vor allem die schönen Gebäude wie das Bräustübel und die Weiße Villa. Allerdings muss man auch sehen, dass der Kauf des Geländes aus Radeberger-Sicht nicht sinnvoll gewesen wäre. Denn das hätte ja schlicht doppelte Kosten am Standort Berlin bedeutet.