In einer Privatbrauerei im Tauberbischofsheimer Stadtteil Distelhausen gibt es gleich zwei Diplom-Biersommeliers: Robert Freitag und Werner Schmitt. Sie haben die Prüfung nach einer zweiwöchigen Ausbildung in München und Österreich als Nummer drei und vier in ganz Deutschland absolviert. Inzwischen veranstaltet Werner Schmitt auch Seminare, um die Sinne von Biertrinkern zu schärfen.

„Bier muss zelebriert werden“

Die Geschichte des Bieres, die Herstellung, die Arten- und Sortenvielfalt sowie Ausschank, Sensorik, Menübegleitung und rechtliche Bestimmungen – das alles muss lernen, wer ein Biersommelier werden will. Dessen Aufgabe ist es nach Angaben des Verbandes der Diplom-Biersommeliere, für die perfekte Präsentation des Bieres beim Gast zu sorgen, etwa den Koch in Bezug auf Biergerichte zu beraten und auch durch „aktives Marketing“ den Umsatz zu steigern.

„Bier muss zelebriert werden“, bringt der gelernte Bierbrauer und Metzger Werner Schmitt sein Credo auf den Punkt. Um dieses weiterzugeben, weiht er diesmal eine Gruppe von 20 Wirtschaftsjunioren aus Würzburg in die Geheimnisse des Gerstensaftes ein. „Wein haben wir schon getestet. Jetzt wollen wir Bier näher kennenlernen“, sagt der Vorstand der Wirtschaftsjunioren. Und nach einigen theoretischen Ausführungen über ober- und untergärige Biere geht es an die Gläser, wobei der Gerstensaft aber nicht gleich in den Mund wandert.

Schauen, riechen, schmecken und hören

„Bier muss man mit allen Sinnen genießen“, sagt Werner Schmitt und fordert seine Gäste auf, es zunächst anzuschauen, dann an dem Glas zu riechen und schließlich zu schmecken. Ja sogar hören solle man den Gerstensaft, erläutert er den erstaunten Gästen – etwa das Zischen beim Öffnen eines Kronkorkens, oder wenn das Bier vom Zapfhahn ins Glas läuft. In diesem Zusammenhang räumt Schmitt übrigens mit einer alten Regel auf: „Die Zeiten, in denen ein gutes Pils sieben Minuten gebraucht hat, sind vorbei“. Moderne Zapfanlagen seien so eingerichtet, dass das Bier schon nach drei Minuten genossen werden kann.

Im Unterschied zur Weinprobe ermuntert der 40-Jährige seine Gäste, ruhig einen großen Schluck zu nehmen, um die Geschmacksnuancen des goldgelben Landbieres auch wahrnehmen zu können. Ein Spuckgefäß wie bei Weinproben gibt es nicht auf den Tischen. „Wir haben das Bier sechs Wochen lang gebraut, dann trinken wir es auch“, sagt Werner Schmitt. Bei seinen Gästen gibt es an diesem Tag erste Geschmacksentdeckungen. So erkennt eine Frau sehr zur Freude des Biersommeliers neben dem Malzaroma des Gerstensaftes auch noch Karamellnuancen.

Zu jedem Gericht ein passendes Bier

Ähnlich wie beim Wein gibt es zu jedem Gericht auch ein passendes Bier, sagt Bier-Experte Schmitt. „Zum Fisch passt etwa ein liebliches Bier, nicht zu stark hopfenbetont.“ Zum Hauptgericht, Schweinefilet mit Kräuterkruste und Löffelspatzen in Dinkelsoße, empfiehlt er ein Dinkelbier. Zum abschließenden Nachtisch, Tiramisu vom Weißbier, gibt es: natürlich ein Weißbier.

Der Biersommelier selbst hat keine spezielle Vorliebe. „Ich habe kein Lieblingsbier, ich freue mich über jedes, das schmeckt“, sagt Werner Schmitt. Der Gerstensaft sei für ihn das Höchste, was es gibt. Und selbst im Lehrgang wurde es ihm nie zu viel: „Dabei haben wir teilweise von 8.00 Uhr bis 18.30 Uhr Bier probiert.“ Trinkfestigkeit ist selbstredend Voraussetzung für den Beruf. Seine missionarische Tätigkeit in Sachen Gerstensaft hat Schmitt aber bislang noch nicht geschadet: seine Leberwerte sind gut.


ddp