Morgenpost Online: Herr Krupke, die letzten Monate waren hart für Solon. Haben Sie oft geflucht?
Thomas Krupke: Nein.
Morgenpost Online: Immerhin beutelte die Finanzkrise Ihr Geschäft, Solon verbuchte hohe Verluste und ist aus dem Börsenindex TecDax geflogen.
Krupke: Jedes Jahr hat neue Herausforderungen. 2009 bestanden sie unter anderem darin, dass es infolge der Finanzkrise keine Finanzierung für Solarkraftwerke gab. Das gilt für die gesamte Branche und hat deswegen alle irgendwie getroffen. Solon vielleicht etwas mehr – das ist es auch schon.
Morgenpost Online: Eine besondere Herausforderung müssen Sie demnächst meistern. Es geht um knapp 200 Millionen Euro kurzfristige Verbindlichkeiten. Wann gelingt die Umschuldung?
Krupke: Wir sind im Gespräch mit den Banken, und wir werden sehen, wann es eine Lösung gibt. Wir haben keine Bedenken, dass es nicht klappt.
Morgenpost Online: Angeblich suchen Sie beim Deutschlandfonds um eine Staatsbürgschaft über 180 Millionen Euro nach.
Krupke: Wozu ich Ihnen nichts sagen kann. Dazu gibt es von uns keine Stellungnahme.
Morgenpost Online: Ihr Unternehmen profitiert wie die gesamte Solarbranche von Subventionen. Allerdings denken Politiker darüber nach, die sogenannte Einspeisevergütung zu senken.
Krupke: Das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz, die Red.) wurde geschaffen, um alternative Energien zu fördern, auch die Fotovoltaik. Darin ist unter anderem vorgesehen, dass die Einspeisevergütung für Solarstrom ab 2010 um neun beziehungsweise elf Prozent sinkt. Das ist in Ordnung. Doch nun plötzlich weitere Absenkungen zu fordern, ist kontraproduktiv. Wir in der Branche brauchen eine verlässliche Planung für Investitionen. Wir sollen Arbeitsplätze schaffen und Technologie voranbringen. Wenn wir jedes Jahr eine Diskussion um die Höhe der Einspeisevergütung haben, verunsichern wir damit den Markt und letztlich die Kunden.
Morgenpost Online: Sie haben vor allem in großem Stil Ihre Werke ausgebaut und für 40 Millionen Euro eine neue Zentrale errichtet. Wurde die technologische Weiterentwicklung vernachlässigt?
Krupke: Wir haben viele Aufgaben, die wir gleichzeitig meistern müssen: Forschung und Entwicklung vorantreiben, investieren, Arbeitsplätze schaffen, internationalisieren und noch Kosten senken. Das ist eine ganze Menge auf einmal. Mal hat man in einem Jahr ein bisschen mehr von dem einen, mal von dem anderen. Deshalb ist es so wichtig, dass uns das EEG eine mittelfristige Planbarkeit bietet. Es kann doch nicht angehen, dass man einerseits eine Zukunftsbranche fördern und einen neuen Industriezweig aufbauen will. Und auf der anderen Seite werden jedes Jahr die politischen Rahmenbedingungen verändert.
Morgenpost Online: Wünschen Sie sich noch mehr staatliche Unterstützung?
Krupke: Nein. Wir haben die Einspeisevergütung, und wenn die verlässlich ist, dann reicht das völlig aus. Ich rufe definitiv nicht nach mehr staatlicher Förderung. Es geht darum, die Technologie wettbewerbsfähig zu machen. Da sind wir auf dem besten Weg. 1995 kostete die Kilowattstunde Fotovoltaikstrom einen Euro, heute sind wir bei 30 Cent. Wissen Sie, was Ihre Kilowattstunde Strom zu Hause kostet?
Morgenpost Online: Nein.
Krupke: Das dürften rund 20 Cent sein. Wir haben es in gerade einmal 15 Jahre geschafft – auch dank staatlicher Förderung – fast wettbewerbsfähig zu werden. Jetzt haben wir die Diskussion um angeblich zu hohe Subventionen für die Fotovoltaik. Dadurch laufen wir Gefahr, eine 15-jährige Erfolgsgeschichte zu opfern.
Morgenpost Online: Aber warum sollen Leute mehr für Strom zahlen, wenn der Nachbar eine Solaranlage auf dem Dach hat?
Krupke: Wir müssen – im gesamtgesellschaftlichen Interesse – unseren Energiemix ändern. Wir wollen das Klima schützen und brauchen eine Alternative zu fossilen Brennstoffen, denn die Lagerstätten von Kohle, Gas und Öl sind irgendwann erschöpft. Für diesen Energiewandel zahlen die Verbraucher, ja. Aber überlegen Sie, über welche Summen wir hier reden. Einen Drei-Personen-Haushalt in Deutschland kostet das rund 23 Euro mehr im Jahr. Das ist der Gegenwert von fünf Schachteln Zigaretten, um den Energiemix nachhaltig zu ändern. Ich finde nicht, dass das zu teuer ist. Und die meisten Leute wissen noch nicht einmal, wie viel sie pro Monat für Strom zahlen.
Morgenpost Online: Aber andere alternative Energien, Wind zum Beispiel, erhalten wesentlich weniger Förderung und tragen mehr zum Energieaufkommen bei.
Krupke: Ja, aber die werden auch schon 15 Jahre länger gefördert.
Morgenpost Online: Wind ist bei den klimatischen Verhältnissen in Deutschland doch wesentlich vielversprechender.
Krupke: Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel: Allein 2009 wurden hierzulande Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von mehr als 2,5 Gigawatt installiert, die Hälfte eines Kohlekraftwerks. Installieren wir dieses Jahr dieselbe Menge, haben wir ein klimaschädliches Kohlekraftwerk ersetzt. Und wenn wir dieses Tempo beibehalten, schaffen wir mittelfristig einen neuen Energiemix.
Morgenpost Online: Damit Solon weiter daran mitwirken kann: Welche Herausforderungen müssen Sie in diesem Jahr meistern?
Krupke: Wir werden unsere Technologie weiterentwickeln und sind gespannt, was sich auf den Finanzmärkten tut. Entscheidend für uns ist, ob sich die Finanzierungsbedingungen für große Fotovoltaikanlagen verbessern.
Morgenpost Online: Müssen Sie Leute entlassen, wenn der Markt sich nicht kräftig erholt?
Krupke: Wir gehen nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr kürzen müssen.
Morgenpost Online: In Berlin erreicht Fotovoltaik gerade einmal einen Anteil von 0,08 Prozent, deutschlandweit sind es zwei. Muss der Senat mehr tun?
Krupke: Stadtstaaten haben einfach weniger Fläche, um Anlagen zu installieren. Das muss man in Rechnung stellen. Grundsätzlich fühlen wir uns von der Landespolitik gut unterstützt.





