Die Arbeitnehmervertreter bei Opel zeigten sich angesichts der katastrophalen Lage des Mutterkonzerns zu Zugeständnissen bereit. Betrachtet würden alle Möglichkeiten - „von Arbeitszeitverkürzungen über Vier-Tage-Woche“, sagte Opel-Konzernbetriebsratchef Klaus Franz.
Der Betriebsrat müsse gemeinsam mit dem Management sehen, wie ein eigenständiges europäisches Geschäftsmodell aussehen könne. Der „Bild“-Zeitung hatte Franz zuvor gesagt: „Eine Werkschließung kostet 400 bis 500 Millionen Euro. Es ist besser, die Fertigung zu flexibilisieren.“ Er betonte, es sei wichtig für die Zukunft, einen neuen geeigneten Partner für Opel zu finden.
Wenn es um die Rettung der 25.000 Arbeitsplätze bei der deutschen Tochter des US-Konzerns General Motors gehe, werde die Gewerkschaft Konzessionen machen, sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber im Deutschlandfunk. Voraussetzung sei aber, dass das Opel-Management ein zukunftsfähiges Konzept für die Rettung des Unternehmens vorlege.
Ein tragfähiges Geschäftsmodell sei zudem Bedingung für die Bitte um staatliche Unterstützung, fügte Huber hinzu. Bei staatlichen Hilfen für Opel dürfe es zudem keine Denkverbote geben. Entscheidend sei die Rettung der Arbeitsplätze an den vier Opel-Standorten in Deutschland.
Die kürzere Wochenarbeitszeit – verbunden mit dem Verzicht auf Einkommen – ist innerhalb der Belegschaft durchausumstritten. Am Bochumer Opel-Standort sind Verhandlungen über eine Vier-Tage-Woche nach Auffassung des Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel derzeit kein Thema. Solange noch die Möglichkeit von Kurzarbeit in dem Werk bestehe, habe die Vier-Tage-Woche keine Bedeutung, sagte Einenkel.
Seit dem 1. Februar sei etwa die Hälfte der rund 5000 Beschäftigten am Standort Bochum von Kurzarbeit betroffen. Kurzarbeit sei innerhalb der gesetzlichen Frist für einen Zeitraum von 18 Monaten möglich.
Angesichts der infolge der Abwrackprämie erhöhten Nachfrage nach Kleinwagen wie dem Corsa werde in einzelnen Werksteilen wie der Getriebefertigung im März bereits wieder voll gearbeitet, sagte der Bochumer Betriebsratschef Einenkel.
Opel hat in Deutschland vier Werke in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach. In den vergangenen Tagen hatte es unter Verweis auf GM-Kreise Spekulationen gegeben, das Opel-Werk in Bochum könnte geschlossen und das in Eisenach verkauft werden.
Obwohl GM betont, derzeit keine solchen Pläne zu haben, bleiben die Beschäftigten skeptisch. „Die Schließung ist vorerst vom Tisch. Aber die haben uns ja schon öfter hinters Licht geführt“, sagte ein Monteur vor der Frühschicht im Bochumer Opel-Werk.
Vor allem auf eine Herauslösung aus dem GM-Konzern setzen viele ihre Hoffnung, „wenn es machbar ist“, sagte eine Beschäftigte. Auch ein Einstieg des Staats ist für eine Angestellte denkbar. „Es bleibt uns ja nichts anderes übrig, wenn kein Geld aus Amerika kommt.“ Dass Stellenstreichungen kommen werden, glauben ebenfalls viele.
General Motors hatte angekündigt, weltweit 47.000 Stellen abbauen zu wollen, davon etwa 26.000 außerhalb der USA. Insgesamt würden ferner eine Aufstockung der Staatshilfen auf bis zu 30 Milliarden US-Dollar benötigt. Sechs Milliarden Dollar sollen außerhalb der USA zusammengetragen werden, unter anderem in Deutschland.
Wagoner hatte Einsparungen von 1,2 Milliarden Dollar in Europa verlangt. Mit der Bundesregierung verhandelt Opel wegen der GM-Schieflage über eine Bürgschaft von bis zu 1,8 Milliarden Euro.
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AP/dpa/oht


















