Der größte ostdeutsche Konzern Verbundnetz Gas (VNG, Leipzig) bleibt unabhängig. Nach WELT-ONLINE-Informationen haben die zwölf in der Beteiligungsgesellschaft VUB zusammengeschlossenen kommunalen Aktionäre der VNG ihr Angebot an die Stadtwerke Halle um 5,8 Mio. Euro aufgestockt. Damit bieten die ostdeutschen Kommunen nunmehr insgesamt 90,8 Mio. Euro für die Übernahme des 3,66-prozentigen VNG-Aktienpakets der Stadt Halle. Das konkurrierende Angebot des Oldenburger Energiekonzerns EWE liegt bei nur bei 90 Millionen Euro – und soll dem Vernehmen nach auch nicht mehr aufgestockt werden.
Die nordwestdeutsche EWE AG, die bereits über 47,9 Prozent der VNG-Aktien verfügt, wäre mit der Beteiligung der Stadt Halle über die 50-Prozent-Schwelle gekommen – und hätte damit beherrschenden Einfluss auf den zweitgrößten deutschen Gasimporteur bekommen. Dieses Bestreben war von ostdeutschen Kommunen und Landespolitikern kritisiert worden. Auch der Beauftragte der Bundesregierung für die Neuen Länder, Bundesverkehrminister Wolfgang Tiefensee (SPD), hatte auf die „Unabhängigkeit“ des größten ostdeutschen Unternehmens gepocht und Standort-Garantien für Leipzig verlangt. Nun behalten die Kommunen ihre Sperrminorität an der VNG.
Nach Informationen von Morgenpost Online war bereits für kommenden Montag eine Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke Halle geplant. Auf dieser Sitzung wollte die Oberbürgermeisterin der Stadt Halle, Dagmar Szabados, über den Verkauf des VNG-Aktienpakets abstimmen lassen. Szabados ist auch Vorsitzende des Aufsichtsrats der Stadtwerke. Während sie bislang wegen des höheren Angebots aus Oldenburg auf einen Verkauf an die EWE bestanden hatte, gehen Verhandlungskreise nun davon aus, dass sie jetzt das nachgebesserte Angebot der VUB vorziehen werde.
Szabados war von ostdeutschen Politikern scharf kritisiert worden, weil sie mit einem Verkauf des VNG-Aktienpakets an EWE die „Solidarität“ mit den ostdeutschen Kommunen aufkündigen würde. Die Oberbürgermeisterin hatte sich mit ihrem bisherigen Votum sogar über gegenläufige Beschlüsse des Stadtrates von Halle hinweggesetzt. Sie hatte dabei stets betont, mit der Entscheidung für das höchste Angebot nur das Wohl der Stadt Halle im Auge zu haben. Nun gehen Beobachter davon aus, dass Szabados aus demselben Grund heraus das nachgebesserte Angebot der VUB-Kommunen annehmen werde.
Im Streit um die Eigentumsverhältnisse des Energiekonzerns VNG hatte zuletzt der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte (CDU) als Moderator eingegriffen. Schauerte begrüßte auf Nachfrage von Morgenpost Online die Aufstockung des Angebots der VUB-Kommunen. „Das ist eine wichtige Vorraussetzung dafür, dass die Sperrminorität der ostdeutschen Kommunen aus eigener Kraft erhalten werden kann“, sagte Schauerte.
Unklar ist nun noch, ob der Vorstandsvorsitzende der EWE AG, Werner Brinker, an seinem 47,9-prozentigen VNG-Aktienpaket weiter fest hält. Dem Vernehmen nach, spricht der südwestdeutsche Energiekonzern EnBW mit Brinker bereits darüber. Die EnBW ist ebenfalls in Verhandlungen über eine Übernahme von 26 Prozent der Aktien der EWE selbst.





