Nach einem schwachen Start ins Geschäftsjahr will der Halbleiterhersteller Infineon seinen Sparkurs deutlich verschärfen. Konzernchef Peter Bauer peilt nun jährlich Einsparungen in Höhe von 600 Mio. Euro an. Bisher war das Ziel 250 Mio. Euro. Es gebe restriktive Reiserichtlinien, zudem werde man keine Gehalterhöhung zahlen, sagte er. Zudem soll vor allem in der Produktion gespart werden, die aufgrund der gesunkenen Chipnachfrage nicht ausgelastet ist.

Auch ein weiterer Stellenabbau ist nicht ausgeschlossen. „Es ist leider so, dass wir nicht ausschließen können, hier noch mal nachzulegen“, sagte Bauer. Infineon ist bereits dabei, 3000 der weltweit 30.000 Arbeitsplätze zu streichen. Bauer betonte, dass man momentan alles versuche, einen weiteren Abbau zu vermeiden. Man könne sich aber aufgrund der unsicheren Wirtschaftsentwicklung nicht festlegen. Für das Gesamtjahr wollte der Infineon-Chef deshalb auch kein Umsatzziel mehr vorgeben. „Ich sehe mich außer Stande, eine exakte Prognose abzuliefern“, sagte er.

Im ersten Quartal, das Ende Dezember ablief, war der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24 Prozent auf 830 Mio. Euro eingebrochen. „Die Wirtschaftskrise hat die Halbleiterbranche voll erwischt“, sagte Bauer. Er rechnet im laufenden zweiten Quartal mit einem weiteren Umsatzrückgang von zehn Prozent. Der Verlust lag in den ersten drei Monaten des Geschäftjahres 2008/09 bei 404 Mio. Euro. Im Vorjahr stand noch ein Minus von 529 Mio. Euro in den Büchern. Zu der Verbesserung hätte vor allem das bereits im Sommer gestartete Sparprogramm beigetragen, sagte Bauer. Die Ergebnissituation sei im ersten Quartal deshalb „ganz respektabel“ gewesen.

Das wurde auch an der Börse honoriert. Die Aktie des Halbleiterkonzerns stieg nach Bekanntgabe der Zahlen um gut zehn Prozent. Allerdings ist der Kurs mit 80 Cent noch immer extrem niedrig. Bei den Aktien sei teilweise eine mögliche Insolvenz bereits eingepreist, urteilen die Analysten der Privatbank Sal. Oppenheim.

Von einem solchen Szenario will Bauer nichts wissen. „Unser Geschäft ist kein Drahtseilakt“, sagte der Konzernchef. „Wir haben ausreichend finanzielle Mittel, um das operative Geschäft zu finanzieren, auch wenn die Krise anhält.“ Allerdings muss das Halbleiterunternehmen in diesem Jahr noch einen Teil seiner Verbindlichkeiten refinanzieren. Man befinde sich seit Januar mit den Banken in Gesprächen, sagte Finanzvorstand Marco Schröter. Die Verhandlungen seien „sehr schwierig“.

Im ersten Quartal belastete Infineon die Pleite der Speicherchiptochter Qimonda zusätzlich. Der Konzern hat deshalb eine Rückstellung von 195 Mio. Euro gebildet, unter anderem für mögliche Forderungen von Mitarbeiter oder Rückzahlungen staatlicher Fördermittel. Die Summe decke Verpflichtungen ab, die man zu jetzigen Zeitpunkt einschätzen könne. „Wir können keine Garantie abgeben, dass diese Rückstellung tatsächlich ausreicht“, sagte Bauer.

Reuters/lw