US-Banken nutzen Geld aus dem Rettungspaket der US-Regierung für die Branche offensichtlich entgegen der Erwartungen nur zögerlich für die Vergabe von Krediten. Stattdessen könnten sie es ausgeben, um Dividenden zu zahlen oder noch ausstehende Boni für ihre Mitarbeiter zu begleichen. Nach einer Berechnung des „Wall Street Journal“ schuldeten allein die größten US-Banken ihren Beschäftigten Ende 2007 noch etwa 40 Mrd. Dollar (31 Mrd. Euro) an zuvor zurückgestellten Gehalts- und Sonderzahlungen.

Die US-Regierung schießt derzeit insgesamt 250 Mrd. Dollar in zahlreiche Banken, um deren Finanzposition zu stärken. Die Hälfte der Summe ging bereits an die neun größten Institute des Landes wie Citigroup und JP Morgan Chase. Die Idee von Finanzminister Henry Paulson war, dadurch die stockende Kreditvergabe an Firmen und Verbraucher in Gang zu bringen. Um die Teilnahme an dem Rettungspaket attraktiv zu machen, hatte die Regierung jedoch auf eine rechtliche Verpflichtung zur Kreditvergabe verzichtet.

Hinter verschlossenen Türen drängt das Ministerium die Banken dazu, das Regierungsgeld für die Kreditvergabe zu nutzen und so die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Doch nur einige kleinere Banken bekennen sich öffentlich, genau dies machen zu wollen. Ed Lazear, Chef-Wirtschaftsberater von Präsident George W. Bush, versicherte, dass die Regierung „sicherstellt, dass es keinen Missbrauch“ der Milliardeninfusion gebe. Wer die Finanzhilfe nutze, müsse zudem Zinsen auf das gewährte Kapital zahlen und sei damit gezwungen, das Regierungsgeld gewinnbringend zu nutzen. Und dies machten Banken nun einmal durch Kreditvergabe.

Vor allem demokratische Abgeordnete im Kongress kritisieren diese Auffassung. Der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, Christopher Dodd, sagte, dass es durch persönliche Gespräche nicht gelungen sei, Banken zur Kreditvergabe zu animieren. Er gehört daher zu denen, die auf strengere Regeln für die Finanzhäuser drängen.

dpa/lw