Die Fluggesellschaft Emirates geht bei ihrer Expansion nach Mittel- und Osteuropa auf Konfrontationskurs zu Platzhirsch Lufthansa. Die deutsche Airline gebe sich besorgt über die Wachstumspläne der Araber, während sie durch zahlreiche Zukäufe selbst zur weltweit größten Fluggesellschaft heranwachse, kritisierte Emirates-Manager Andrew Parker. „Unsere Gegner beginnen Märkte zu dominieren“, sagte er in Reuters-Interview. Entscheidungsträger müssten darauf achten, dass die Konsolidierung in Europa in vernünftigem Maß erfolge und keinen Monopolisten hervorbringe.

Die Kritik ist Zeugnis des erbitterten Konkurrenzkampfs der beiden Fluggesellschaften. Emirates bemüht sich seit längerem um zusätzliche Flüge nach Deutschland und will im Heimmarkt der kriselnden Alitalia expandieren, den auch Lufthansa mit einer eigens gegründeten Fluggesellschaft erobern will. „Wir haben Pläne für zusätzliches Wachstum im gesamten europäischen Raum“, sagte Parker. Im Visier habe Emirates dabei auch Osteuropa, Spanien und Russland. Über ein dichteres Streckennetz und niedrige Preise will das 1985 gegründete Unternehmen etablierten Konkurrenten Kunden abjagen.


Bei seinen Plänen stößt Emirates jedoch oft auf Widerstand. In Deutschland darf das Unternehmen zusätzlich zu den derzeitigen Zielflughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg voraussichtlich erst nach der Fertigstellung des neuen Hauptstadtflughafens in Berlin landen und Jahre später in Stuttgart. „Das war schon ziemlich enttäuschend für uns“, sagte Parker. „Aber wir sind geduldig und sprechen weiter mit den deutschen Entscheidungsträgern in Berlin.“ Derzeit fliegt Emirates 49 mal pro Woche ab Deutschland, während Lufthansa deren Drehkreuz in Dubai nur etwa 14 Mal pro Woche ansteuert.

Ein Lufthansa-Sprecher wies den Vorwurf zurück, Lufthansa wachse zu einem europäischen Monopolisten heran. Die Konsolidierung sei notwendig, um den europäischen Luftfahrtstandort zu stärken. Zudem finde Emirates in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern vergleichsweise liberale Bedingungen vor.

Wer landet als Erster in Frankfurt

Sichtbar wird der Konkurrenzkampf auch an den Plänen von Emirates, mit einem der neuen Airbus A380 Frankfurt anzufliegen. „Es wäre schön, ein deutsches Flugzeug nach Deutschland zurückzubringen. Frankfurt ist perfekt für den A380“, sagte Parker.Lufthansa bekommt ihren ersten A380 voraussichtlich erst Ende 2009, während Emirates in Kürze den vierten Superjumbo erhält und im Jahresverlauf weitere Großraumflugzeuge erwartet. Sollte Emirates vor Lufthansa mit dem Superjumbo in Frankfurt landen, würde sie den Deutschen auf ihrem Heimatstandort die Show stehlen.

Allerdings dürfte die schwächere Nachfrage nach Flugreisen auch Emirates nicht unberührt lassen. „Eventuell werden wir weniger neue Destinationen eröffnen als in den vergangenen Jahren“, sagte Parker. Bislang habe die im Besitz der Regierung von Dubai stehende Fluggesellschaft keine Liquiditätsprobleme.

Von größeren Übernahmen will Emirates auch künftig absehen. „Wir bekommen viele Fluggesellschaften angeboten, die Alitalias und Olympics dieser Welt, aber wir sagen 'Nein, danke'“, sagte Parker. Zukäufe in Europa seien zwar theoretisch möglich und nicht für alle Zeiten auszuschließen, aber derzeit für Emirates nicht interessant. Auch Spekulationen über einen Zusammenschluss mit dem benachbarten Konkurrenten Etihad aus Abu Dhabi wies Parker zurück. „Wir haben keine Kenntniss von irgendwelchen Fusionsplänen. Das sind nur Gerüchte.“

Reuters/PHJ