Die Aktion war generalstabsmäßig vorbereitet. Ein Jahr suchten die Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace nach dem passenden Stück Land, um die geplante dritte Startbahn des Londoner Flughafens Heathrow zu verhindern.

Damit der Flughafenbetreiber BAA keinen Wind von der Sache bekam, gaben die Umweltschützer beim Kauf an, ein Schutzgebiet für Esel auf dem Fußballfeld-großen Gebiet errichten zu wollen.


Nun enthüllte Greenpeace sein eigentliches Vorhaben: Die Gruppe will das Grundstück im Herzen der künftigen Landebahn in bis zu 4000 kleine Stücke aufteilen und an verschiedene Besitzer verkaufen. Einige prominente Unterstützer haben schon ihre Teilnahme angekündigt, darunter der britische Comedian Alastair McGowan, der Tory-Umweltpolitiker Zac Goldsmith und die mehrfache Oscar-Gewinnerin Emma Thompson.


"Ich verstehe nicht, wie eine Regierung auch nur ernsthaft über diesen schrecklichen Plan nachdenken kann, obwohl sie sich dem Klimaschutz verpflichtet hat", sag-te die Schauspielerin Thompson. "Wir werden das stoppen, selbst wenn wir auf dem Grundstück wohnen und Gemüse anbauen müssen." Mit der geplanten dritten Landebahn wäre Heathrow der größte Produzent von CO2-Emmissionen in Großbritannien. Der Flughafen würde laut Greenpeace-Angaben 27 Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen - also so viel wie die Emissionen der 57 CO2-Ausstoß-ärmsten Länder der Welt.

Die Regierung von Premierminister Gordon Brown hatte angekündigt, noch in dieser Woche die Erlaubnis für den Ausbau von Europas größtem Flughafen zu geben. Brown verspricht sich davon Tausende von Arbeitsplätzen, die die Rezession in Großbritannien abfedern sollen. Nach Schätzungen der Bank of England wird die Arbeitslosigkeit bis 2010 von etwa zwei auf drei Millionen steigen. Deswegen will die Regierung massiv in Infrastrukturprogramme investieren. Neun Mrd. britische Pfund soll die dritte Landebahn kosten und die Zahl der Flüge pro Jahr von 480.000 auf 700.000 steigern.

Die Sabotage-Aktion der Umweltschützer könnte den Flughafenausbau ernsthaft gefährden. Das Grundstück liegt in dem Vorort Sipson im Südwesten Londons. Für die Landebahn müsste die Regierung ohnehin die Bewohner des Ortes enteignen. Nun kommen mit den Aktivisten 4000 zusätzliche Grundstücksbesitzer hinzu. Von britischen Zeitungen befragte Anwälte sagten, der Protest könnte den Bau der dritten Landebahn für Jahre verzögern. Eigentlich sollte sie 2020 fertig gestellt werden.

Neben Greenpeace hat der Flughafenausbau auch viele andere prominente Gegner. Die oppositionellen Parteien Tory und die Liberalen Demokraten lehnen den Plan ab. Auch Londons Bürgermeister Boris Johnson ist entschieden gegen eine weitere Landebahn. Er hat bereits angekündigt, dass er Klage einreichen will, falls die Regierung der dritten Landebahn zustimmt. Johnson möchte Heathrow schließen und einen komplett neuen Großflughafen auf einer künstlichen Insel im Themse-Delta bauen.

Reuters/PHJ