Die US-Fluglinien Delta und Northwest wollen sich zur größten Fluggesellschaft der Welt zusammenschließen. Beide Verwaltungsräte gaben ihre Zustimmung zur Bildung einer gemeinsamen Linie, die mit einem Börsenwert von 17,7 Milliarden Dollar und mehr als 120 Millionen Passagieren pro Jahr die Konkurrenz überflügeln würde. Der neue Riese am Airline-Himmel soll den Namen Delta tragen, der bisherige Delta-Vorsitzende Richard Anderson im Chefsessel bleiben. Die von steigenden Treibstoffpreisen bedrängten Gesellschaften erhoffen sich laut Anderson für die nächsten zwei bis drei Jahre Einsparungen von 600 bis 800 Millionen Dollar.


Delta ist bislang gemessen an der Passagierzahl die drittgrößte Fluggesellschaft der USA, Northwest die fünftgrößte. Beide hatten erst im vergangenen Jahr den Gläubigerschutz verlassen. Die Unternehmen hoffen nach eigenen Angaben darauf, durch die Synergieeinsparungen die gestiegenen Energiekosten und die Folgen des verschärften Konkurrenzkampfs mit ausländischen Gesellschaften auffangen zu können. Delta-Chef Anderson kündigte am Dienstag im TV-Sender CNBC Stellenstreichungen in der Verwaltung an; das Personalniveau im Flugbetrieb solle aber erhalten bleiben. Die fusionierte Fluglinie wird etwa 75.000 Mitarbeiter zählen.

Die Aktionäre und die Kartellbehörde müssen dem Deal noch zustimmen. Dieses Verfahren werde voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen sein, erklärte Delta. Die Fusion soll nach Angaben der Unternehmen durch einen Aktientausch erfolgen. Die Northwest-Aktionäre sollen pro Anteilsschein 1,25 Delta-Aktien erhalten. Die Wall Street quittierte die Fusionsankündigung mit hohen Kursverlusten. Northwest verlor anm Dienstag zum Handelsauftakt in New York elf Prozent, Delta büßte 5,7 Prozent ein. Analysten führten den Sturz auf das erneute Rekordhoch beim Ölpreis zurück.

Die Entscheidung für die Fusion hatte sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet – trotz des Widerstands der Pilotengewerkschaften. Diese hatten sich nicht auf gemeinsame Regelungen bezüglich der Dienstzugehörigkeit für die 7000 Piloten von Delta und die 5000 Piloten von Northwest einigen können. Die Fluggesellschaften wollen sich um eine gemeinsame Regelung bemühen.

Delta und Northwest wollen ihre 390 Zielflughäfen in 67 Ländern aufrechterhalten und auch weiterhin zahlreiche kleinere Städte in den USA anfliegen. Die gemeinsame Flotte zählt fast 800 Flugzeuge. Weltweit hat die neue Airline 75.000 Mitarbeiter. Geographisch ergänzen sich die beiden Fluglinien: Während Northwest vor allem in Asien verankert ist, fliegt Delta viele Ziele in Lateinamerika und der Karibik an. In Europa sind beide sehr präsent.

Sowohl Delta als auch Northwest hatten erst im vergangenen Jahr den Gläubigerschutz verlassen. Wie viele andere US-Fluglinien hatten auch Delta und Northwest infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 Insolvenz nach Kapitel elf des US-Konkursrechts angemeldet und sich so unter staatlichen Gläubigerschutz gestellt. So waren die angeschlagenen Unternehmen vor einem gerichtlichen Eintreiben ihrer Schulden geschützt und konnten an ihrer Restrukturierung arbeiten.

Experten werteten die Fusionsankündigung als Auftakt weiterer Zusammenschlüsse im Flugverkehr. „Angesichts der Kostenzwänge werden sich die großen Linien um Zusammenarbeit bemühen“, sagte der Direktor der Welttourismusrats (WTTC), Jean-Claude Baumgarten, der Nachrichtenagentur AFP in Paris. Er erwarte eine „Konzentrationswelle“ in dem Sektor.

dpa/PHJ