Kommentar

Warum der Bund die Commerzbank stützen musste

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Thomas Exner

Der Einstieg des Bundes bei der Commerzbank war ein notwendiger Schritt. Ohne das Einschreiten wäre es früher oder später zu einem Kollaps des Geldhauses gekommen, der für den Steuerzahler wesentlich teurer gewesen wäre. Doch mit der Teilverstaatlichung sind längst nicht alle Probleme vom Tisch.

Noch vor Monaten wäre es undenkbar gewesen: Die Beteiligung des Staates an einer der größten Privatbanken des Landes. Allein der Gedanke an einen solchen Schritt wäre quer durch Politik und Wirtschaft auf Unverständnis und heftige Abwehr getroffen. Doch nun findet der Einstieg des Bundes bei der Commerzbank auf Seiten der Ökonomen sogar fast einhelligen Beifall. Die Welt scheint Kopf zu stehen – der Staat vom Steuergeld fressenden Ungetüm zum omnipotenten Retter mutiert zu sein.

Doch so wenig der Staat tatsächlich in der Lage ist, quasi im Alleingang die ökonomische Krise zu stoppen, so wenig Alternativen gab es jetzt zu einer Teilverstaatlichung der Commerzbank, die nach der Fusion mit der Dresdner Bank das zweitgrößte Geldhaus des Landes ist. Durch die Finanzkrise ist deren Eigenkapital so sehr zusammengeschmolzen, dass ohne das frische Geld vom Steuerzahler über kurz oder lang möglicherweise beide Geldhäuser von der Bankenaufsicht hätten geschlossen werden müssen. Denn private Eigenkapitalgeber sind im aktuellen Umfeld kaum zu finden.


Die Folgen eines solchen Bankenkollaps für das Land und die Wirtschaft wären aber fatal, schließlich zählen die beiden Institute zu den größten Mittelstandsfinanzierern. Der ohnehin schon ausgetrocknete Kreditmarkt wäre endgültig versandet, die Finanzierung von Unternehmen und Projekten noch schwieriger geworden und die wirtschaftliche Talfahrt hätte sich noch enorm beschleunigt. Das Beispiel Lehman Brothers zeigt, welchen Schock die Pleite eines großen Akteurs am Finanzmarkt auslösen kann und wie weit die Folgen reichen können.Natürlich hat die Tatsache, dass nun der Steuerzahler praktisch die Fusion der Geldhäuser finanziert, mehr als ein Geschmäckle.

Und die Tatsache, dass die verantwortlichen Manager der Banken über Monate die Risiken der ohnehin knapp kalkulierten Übernahme offenbar nicht richtig eingeschätzt haben, ist für sie beileibe kein Ruhmesblatt – wobei ein Großteil der Löcher aber auch ohne Fusion zu stopfen gewesen wäre. Wenn nun der Bund den Abschluss der geplanten Fusion mit seinem Geld ermöglicht, gibt es dafür nur ein stichhaltiges Argument: Ein Platzen wäre für den Steuerzahler noch viel teurer geworden.Endgültig über den Berg ist die Commerzbank allerdings auch mit dem frischen Staatskapital noch lange nicht. In den Büchern des neuen Großinstituts werden über 450 Milliarden Euro an Krediten stehen, von denen manch einer in den noch anstehenden Monaten der Rezession platzen dürfte.

Neue, hohe Abschreibungen für das Geldhaus sind also programmiert. Und auch bei der Eurohypo, dem Immo-bilienfinanzierer der Commerzbank, schlummern noch Altlasten mit hohem Risikopotenzial. Zudem gibt es die Staatshilfe nicht zum Nulltarif. Auf dem neuen Geldhaus lastet auf Jahre hinaus eine hohe Zinslast, die seinen Spielraum erheblich einschränkt. Angesichts dieser Hypotheken scheinen die normalen Probleme einer solchen Mammut-Fusion, die in anderen Fällen allein schon manchen Traum zerstört haben, fälschlicherweise schon fast vernachlässigenswert gering. Die Stabilisierung des neuen Instituts unter diesen Umständen ist eine wahre Herkulesaufgabe.

Und der Staat wird auf Jahre hinaus in der Mithaftung stehen, auch für schmerzhafte Einschnitte beim Personal. Dies allein sollte der Politik Mahnung genug sein, keinen Allmachtsfantasien zu erliegen.

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