Die deutsche Wirtschaft reagiert besorgt auf den Höhenflug des Euro. „Das kommt zur Unzeit“, sagte der Konjunkturexperte des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA), Olaf Wortmann. „Das ist eine zusätzliche Belastung für die gesamte Exportwirtschaft.“ Sie stehe wegen der weltweit sinkenden Nachfrage ohnehin unter Druck.
Der Euro kletterte am Vormittag zeitweise über die Marke von 1,47 Dollar. Er wertete damit in dieser Woche um rund acht Prozent auf – das ist der kräftigste Anstieg innerhalb einer Woche seit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999. Das verteuert deutsche Ausfuhren in andere Währungsräume.
Der VDMA forderte die Europäische Zentralbank (EZB) deshalb zu raschen weiteren Zinssenkungen auf. „Sie täte gut daran, die Zinsen zu senken“, sagte Wortmann. „Das könnte die Wechselkurse entspannen.“ Die EZB könne sich Zinssenkungen angesichts des geringen Preisauftriebs erlauben. Der Euro sei klar überbewertet und sorge für einen Wettbewerbsnachteil für die Exporte.
Als Grund für den Höhenflug gilt die aggressive Zinspolitik der amerikanischen Notenbank, die ihren Leitzins am Dienstag praktisch auf null gesenkt hat. Im Euro-Raum liegt der Zins mit 2,5 Prozent deutlich darüber. Der höhere Zins macht den Euro für Anleger attraktiver.
Die EZB sorgt sich angesichts der staatlichen Programme zur Eindämmung der Wirtschaftskrise hingegen um die Stabilität des Euro. Die Politik sei nun so expansiv ausgerichtet, dass sie womöglich den Keim künftiger Probleme in sich trage, sagte das EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark dem „Manager Magazin“. Die Regierungen hätten Ausgabenprogramme aufgelegt, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellten. Auch die Geldpolitik sei weltweit „massiv gelockert“ worden.
„Wir müssen sehr aufpassen, dass eine solche Politik nicht zu erneuten Übertreibungen und steigender Inflation führt“, sagte Stark. Notenbanken und Regierungen müssten „auf einen restriktiveren Kurs umschwenken“, sobald die unmittelbare Krise vorbei sei.
In den vergangenen Wochen hatten verschiedene Organisationen, unter anderen die OECD, vor einer bevorstehenden Deflation gewarnt. Dies würde für eine lange Phase sehr niedriger Leitzinsen sprechen. Stark widersprach laut dem Blatt dieser Auffassung und sagte, dass in der Eurozone ein dauerhaftes Sinken des Preisniveaus unwahrscheinlich sei.
Reuters/dpa/lw





