Wer ein umweltfreundliches Auto fährt, der soll dafür belohnt werden. Das dachten sich die Chefs der Immobilienmaklerkette RexCorp an der US-Ostküste. Vor ein paar Wochen brachten sie deshalb an den Parkplätzen vor ihren 70 Bürogebäuden Schilder an, die besonders gute Plätze, gleich neben den Stellplätzen für Behinderte, für Hybrid-Fahrzeuge reservieren. Auch eine Handvoll Restaurants und Hotels bietet seit kurzem Hybrid-Parkplätze an.
Doch die symbolhaften Bekenntnisse zum Umweltschutz nutzen offenbar wenig. Der Verkauf von Hybridautos läuft in den USA momentan eher schleppend. Stattdessen kaufen die Amerikaner wieder kräftig Geländewagen, die sogenannten SUVs. Trotz der schlimmsten Wirtschaftskrise seit langem steigen die Verkaufszahlen der für das Land typischen Spritfresser wieder – und das, obwohl diese Fahrzeugklasse schon seit Jahren immer wieder totgesagt wurde.
Im Dezember kauften die Amerikaner zum ersten Mal seit fast einem Jahr wieder mehr Geländewagen als herkömmliche Autos, schätzt der renommierte Automobil-Marktforschungsdienst Edmunds.com. Demnach waren 51 Prozent aller verkauften Neuwagen im Land SUVs oder Pick-Up-Trucks. „Die großen Autos haben zwar nicht den Stellenwert, den sie einmal hatten“, sagt Edmunds-Analyst Jesse Toprak, „aber der Abwärtstrend scheint gestoppt.“
Abwärts ging es dagegen mit umweltfreundlicheren Hybridfahrzeugen. Beim Toyota Prius, Amerikas mit Abstand erfolgreichstem Hybridfahrzeug, waren schon im November die Verkaufszahlen um 48 Prozent eingebrochen.
Als wichtigsten Grund für die Entwicklung nennt der Branchendienst die zuletzt stark gefallenen Benzinpreise. Derzeit kostet eine Gallone (3,8 Liter) Sprit die Amerikaner rund 1,67 Dollar. Im Sommer waren die Preise auf bis zu vier Dollar pro Gallone geklettert. Die niedrigeren Benzinpreise sorgen dafür, dass Hybridfahrzeuge sich langsamer amortisieren. Sie sind durch den zusätzlichen Elektromotor in der Anschaffung teurer, verbrauchen dafür aber weniger Benzin.
Die Absatzschwäche großer Autos in den vergangenen Jahren war einer der Hauptgründe für die Krise der US-Autohersteller. General Motors, Chrysler und Ford hatten zuletzt in dem Segment das meiste Geld verdient. Weil es dort weniger Konkurrenz von ausländischen Herstellern als etwa bei Klein- und Mittelklassewagen gab, konnten die US-Konzerne mit SUVs größere Gewinnspannen erzielen. Umso härter traf es sie, als die Amerikaner sich schrittweise von großen Autos abwendeten und sparsamen Modellen – oft von ausländischen Herstellern – den Vorzug gaben. Ende Dezember hatte die US-Regierung ein Notrettungspaket in Höhe von 13,4 Mrd. Dollar (9,6 Mrd. Euro) beschlossen, um General Motors und Chrysler vor dem Bankrott zu bewahren.
Die Trendwende bei den großen Autos bedeutet allerdings nicht, dass es den US-Autokonzernen wieder besser ginge. Denn den aktuellen Erfolg mussten sie sich teuer erkaufen. Pro SUV gewähren die US-Autobauer derzeit im Durchschnitt 5200 Dollar Rabatt.
Auch die Konkurrenz aus dem Ausland übt sich angesichts der Wirtschaftskrise darin, originelle Kaufanreize zu setzen. Hyundai stellte am Wochenende eine neue Kampagne vor: US-Kunden, die nach dem Kauf ihren Job verlieren, dürfen das Auto ohne Verlust wieder zurück geben.





