Preise

Wirtschaftlicher Abschwung macht vieles billiger

Der Abschwung der Wirtschaft wird nach einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young zu fallenden Preisen für viele Produkte des täglichen Lebens führen. Dies betrifft unter anderem Kosmetik, Unterhaltungselektronik und Autos. Nahrungsmittel sind aber ausgenommen.

Die Preise für viele Produkte des täglichen Lebens werden im bevorstehenden Abschwung sinken. Ausgerechnet für Lebensmittel aber werden sie in Deutschland noch teurer. Das ist das Ergebnis einer Studie der Managementberatung Ernst & Young und des britischen Wirtschaftsforschungsinstituts Oxford Economics, die Morgenpost Online exklusiv vorliegt. "Die deutschen Lebensmittelpreise werden sich dem höheren europäischen Niveau annähern“, sagt Thomas Harms, Partner und Handelsexperte bei Ernst & Young.

Die Krise wird laut der Studie sinkende Nachfrage und damit fallende Preise für Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium oder Rohöl zur Folge haben. "Damit werden auch Produkte billiger, in denen diese Materialien verarbeitet sind“, sagt Harms. Selbst an Zapfsäulen und bei Heizöllieferanten macht sich die Entspannung bemerkbar. Dass die Deutschen davon noch vor Beginn des Winters etwas haben, glaubt Harms nicht. „Preissenkungen bei Mineralölprodukten brauchen ja immer auffallend lange, bis sie beim Verbraucher ankommen.“

Ausgerechnet bei Lebensmitteln sollen sich niedrigere Preise aber nicht bemerkbar machen. „Die Inflation für Nahrungsmittel in Deutschland ist ungebrochen. Viele Einzelhändler haben bereits vor Wochen einen weiteren Anstieg der Preise für Milchprodukte, Brot und Getreideerzeugnisse angekündigt“, sagt Harms. Während die Inflationsrate für alle Produkte im August bei 3,1 Prozent lag, stiegen die Preise für Nahrungsmittel um 7,4 Prozent, die für Eier und Milchprodukte um 17,2 Prozent. So dramatisch wird es wohl nicht weitergehen. "Es ist zu erwarten, dass der Preisanstieg künftig unterhalb der bisherigen Inflationsrate von gut drei Prozent liegen wird“, sagt Harms.

Dennoch: Anders als bei anderen Rohstoffen sei bei Nahrungsmitteln keine sinkende Nachfrage zu erwarten. Schwellenländer wie China und Indien näherten ihre Essgewohnheiten denen des Westens an. Sie haben eine „riesige Nachfrage nach hochwertigen Nahrungsmitteln ausgelöst“, sagt Harms, verlangen nach mehr Fleisch und würden das weiter tun. Für ein Kilo Fleisch werden sieben Kilo Futtergetreide verbraucht. Zudem blockieren Pflanzen für Biokraftstoffe Flächen. „Da kann ich weiter kein Umdenken entdecken“, sagt Harms.

Da Deutschland mehr Nahrungsmittel ein- als ausführt, schlage der Anstieg der Preise auf den Weltmärkten hier besonders stark durch. Und selbst der Wettbewerb im Einzelhandel, der die Preise lange niedriger als in anderen europäischen Ländern hielt, offenbart nun seine Nachteile. „Da die Renditen so niedrig sind, müssen die Händler ihre gestiegenen Einkaufspreise an die Kunden weitergeben. Genau das hat zuletzt für die starken Ausschläge der Verbraucherpreise nach oben geführt“, sagt Harms.

Laut Harms kommt das Problem den meisten Deutschen schlimmer vor, als es ist. Denn die „gefühlte Inflation“ bei Lebensmitteln überflügelt die tatsächliche bei Weitem. „Bis 2006 lag die Teuerung bei Lebensmitteln unterhalb der Inflationsrate. Das haben viele Konsumenten vergessen“, sagt Harms. Zudem verglichen sie die Preise gern mit früher statt mit dem Vorjahr. So entstehe der Eindruck, die Inflation galoppiere.

Wegen der internationalen Bankenkrise will fast ein Drittel der Deutschen in diesem Jahr unterdessen weniger Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Eine entsprechende Frage bejahten in einer Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ 32 Prozent der Befragten. Ostdeutsche sind demnach sparsamer als Westdeutsche. So geben 38 Prozent der Bewohner der neuen Bundesländer an, 2008 weniger Geld für Geschenke ausgeben zu wollen als 2007. In den alten Bundesländern sind es 31 Prozent.

Männer sind dem Bericht zufolge spendabler als Frauen. 70 Prozent antworteten verneinten die Frage „Werden Sie angesichts der Finanzkrise weniger Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben als 2007?“ 28 Prozent mit antworteten mit „ja“. Hingegen bekennen sich 37 Prozent der Frauen dazu, bei den Weihnachtsgaben zu sparen. 58 Prozent haben nicht diese Absicht.

mit AP