Die deutschen Verbraucher widerstehen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge der Finanzkrise. Trotz der teils panischen Reaktionen an vielen Börsen habe sich das Konsumklima stabilisieren können, wenn auch auf niedrigem Niveau, erklärte die GfK. Dazu trage vor allem eine leicht steigende Einkommenserwartung in Verbindung mit einer rückläufigen Sparneigung bei. Der Einzelhandel hofft nun auf ein Weihnachtsgeschäft, "das diesen Namen auch verdient“.

Trotz der Finanzkrise habe sich die Kauflaune der Deutschen etwas verbessert. Für November 2008 sagt die Nürnberger GfK einen Anstieg des Konsumklima-Index um 0,1 auf 1,9 Punkte voraus. „Das Konsumklima trotzt der Finanzkrise“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Im Gegensatz dazu müssten allerdings die Konjunkturerwartung sowie die Anschaffungsneigung Einbußen hinnehmen.

Auf die Einkommenserwartung positiv ausgewirkt hat sich laut GfK die nachlassende Inflation in Deutschland. Dadurch sähen die Verbraucher ihre Kaufkraft weniger gefährdet. Die allgemeinen Konjunkturerwartungen litten jedoch unter den Turbulenzen an den Börsen, Rezessionsängste verstärkten sich. Zuvor hatte das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München von einem weiteren Stimmungsabschwung in der deutschen Wirtschaft berichtet.

Nicht berücksichtigt ist bei der Umfrage zum Konsumklima der Bankenrettungsplan der Bundesregierung - die GfK hatte die Verbraucher nach eigenen Angaben noch vor der Verabschiedung des Pakets befragt.

Für den Rest des Jahres seien keine gravierenden Impulse für den Konsum mehr zu erwarten, hieß es weiter. Für 2009 komme es wesentlich darauf an, dass bei den Konsumenten das Vertrauen in die Finanzmärkte wieder wachse und ein Abgleiten in die Rezession verhindert werde.

„Die sinkende Inflation nützt, und das verbessert den Index. Wenn man die Leute aber auf der Straße fragt, ob sich ihre Stimmung verbessert hat, dann sagen sie nein. Wir reden über eine Rezession, und die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass die Zahl der Arbeitsplätze sinken wird“, sagte Holger Sandte, Analyst bei der WestLB. Man müsse jedoch nicht befürchten, dass der Konsum ins Bodenlose stürzt.

„Der gesunkene Ölpreis hat die Kauflaune verbessert. Aber wir bleiben weit entfernt von normalen Zeiten“, sagte Andreas Rees von der Bank Unicredit. Der Indikator liege klar unter seinem langfristigen Durchschnitt von 9,3 Punkten. „Die Verbraucher werden kein Gegengewicht zum schwachen Unternehmenssektor bilden können“, sagte Rees. „Wenn man sich die Anschaffungsneigung anschaut, ist klar, dass die Verbraucher in den nächsten Monaten nicht planen, mehr dauerhafte Konsumgüter zu kaufen.“

Der Einzelhandel hofft zumindest auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. „Wir werden ein Weihnachtsgeschäft bekommen, das diesen Namen auch verdient“, sagte der Sprecher des Branchenverbandes HDE, Hubertus Pellengahr. Jeden fünften Euro setzt der Handel im November und Dezember um. Viele Firmen erwirtschaften in dieser Zeit ihren gesamten Jahresgewinn. Die Umsätze des Einzelhandels legten derzeit trotz Finanzkrise leicht zu, wenn auch auf niedrigem Niveau, sagte Pellengahr.

Der stark gesunkene Ölpreis entlastet Verbraucher, Unternehmen und Staat nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) um einen zweistelligen Milliardenbetrag. „Der Höhenflug des Ölpreises hat die Volkswirtschaft im ersten Halbjahr etwa 19 Milliarden Euro gekostet – das ist auch die ungefähre Größenordnung, um die sie jetzt wieder entlastet wird“, sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert. „Das ist Geld, das den Verbrauchern für den Konsum und der Industrie für Investitionen zur Verfügung steht.“

Wegen der sinkenden Ölpreise ist die Inflation weiter auf dem Rückmarsch. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen sank die Teuerungsrate im Oktober auf 2,3 Prozent und damit den dritten Monat in Folge. Eine erste Schätzung für die gesamtdeutsche Teuerungsrate veröffentlicht das Statistische Bundesamt am Mittwoch. Volkswirte rechnen mit einem Rückgang auf 2,4 Prozent. Im Juli hatte die Preissteigerung mit 3,3 Prozent ein 15-Jahres-Hoch erreicht.

Experten verweisen aber darauf, dass die Verbraucher eher pessimistisch in die Zukunft sähen. „Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nimmt zu“, sagte der Konjunkturchef des Ifo-Instituts, Kai Carstensen. Die führenden Wirtschaftsinstitute gehen deshalb in ihrem Herbstgutachten davon aus, dass die Sparquote 2009 bei einem deutlichen Abschwung nochmals um einen halben Punkt steigt.

AFP/dpa/Reuters/oht