Für einen Paukenschlag hatte der amerikanische Immobilienmilliardär Samuel Zell im vergangenen Jahr gesorgt. Satte 8,2 Milliarden Dollar ließ er sich die Übernahme der Verlagsgesellschaft Tribune Company kosten, zu der neben den renommierten Blättern "Los Angeles Times“ und "Chicago Tribune“ zehn weitere Zeitungen und 23 Lokalfernsehsender gehören. "Wie kriegt man jemanden, der 126 Jahre alt ist, wieder aufgerichtet?“, fragte er danach die Redakteure der "Los Angeles Times“ und beantwortete die Frage gleich selbst: "Ich bin Ihr Viagra.“
Doch die Wirksamkeit von Zells Managementmethoden scheint nicht mit der des Potenzmittels mithalten zu können. Denn der Firma droht jetzt das Geld auszugehen. Wie US-Medien berichten, könnte dem Medienhaus noch in dieser Woche die Pleite bevorstehen. Die Firma habe bereits Konkursberater für den Fall angeheuert, dass der Gläubigerschutz beantragt werden müsse.
Einen Großteil der Schulden für die Übernahme hatte Zell dem Unternehmen aufgelastet und sofort damit begonnen, auf oft recht ruppige Art Stellenstreichungen bei den Blättern und Sendern anzukündigen. Über 1000 Mitarbeiter mussten bislang gehen.
Einige ehemalige und weiterbeschäftigte Redakteure der „Los Angeles Times“ haben deswegen Klage gegen Zell eingereicht. Er habe die Rechte der Mitarbeiter missachtet, obwohl diese durch die Struktur der Transaktion zu Miteignern des Hauses geworden waren. Die Verschärfung der Lage bei Tribune hängt vor allem mit der Finanzkrise zusammen, die es erschwert, Kreditverträge neu zu verhandeln. Auch ist das Anzeigengeschäft im Laufe der bereits seit einem Jahr anhaltenden Rezession in den USA eingebrochen. Bei den Tribune-Zeitungen lag das Minus im zweistelligen Prozentbereich.
Die Kasse aufgebessert hatte Zell durch den Verkauf der Tageszeitung "Newsday“, die auf Long Island, östlich von New York, erscheint. Den Zuschlag hatte die Kabelfernsehgesellschaft Cablevision erhalten, der unter anderem die Veranstaltungshalle Madison Square Garden in Manhattan sowie die Basketballmannschaft New York Knicks gehören.
Auch Tribune ist im Besitz eines Sportteams. Tribune-Eigner Zell will die Baseballtruppe „Chicago Cubs“ jedoch schon lange verkaufen, um den Schuldenstand abzubauen. Doch eine Transaktion ist bislang nicht zustande gekommen, weil auch mögliche Käufer es schwerer haben, an Kredite zu kommen.




